108 sie wird das schöne „kleine Holz" nicht gern entbehren. Torf gibt es so wie so schon nicht mehr; nimmt man ihr nun noch dies saubere Brennmaterial, so muß sie auch in der Küche schmutzige Kohlen brennen. Man hat der Industrie und Maschine oft Len Vorwurf gemacht, daß sie die Land schaft „verschandeln" —, die Buschhack maschine wirkt in entgegengesetzter Rich tung: sie schützt die Knicks, denn sie macht sie wertvoller. Früher mußten die Mäd chen das Buschholz hacken; viele Tage lang klapperten die Beile auf den Haublöcken, und noch fixer ging das Mundwerk — Las Kleinholz aber wurde teuer. Jetzt kommt die Genoss^nschafts - Buschhackma schine, und in einem Tage sind Berge von Buschholz in einen Hafen Kleinholz ver wandelt: dadurch wird es billiger. Wird ein Knick entfernt, um Land zu gewinnen, oder um sonstwie anliegende Aecker zu verbessern, so wird statt des lebenden Zauns ein toter gesetzt werden. Der kluge Rechner hat dann auf die Debet seite wieder die Kosten für Pfähle, Draht und Arbeitslohn zu setzen, und er hat wohl zu berücksichtigen, daß der tote Zaun nicht nus eigener Kraft aufwächst, sondern von Zeit zu Zeit erneuert werden muß, daß er also nicht nur nichts einbringt, sondern dauernd Geld kostet. Es wird sich daher doch mancher die Sache erst überlegen, ob er einen Knick niederreißen will. — Und dann werden wir, die wir unserer Heimat möglirbit viel der ursprünglichen Eigenart und Schönheit erhalten wollen, vortreten und in die schwankende Wage das legen müssen, was wir für unsere Knicks an zuführen haben. Zunächst also die erwähnten praktischen Eigenschaften der Knicks, und dabei dür fen wir vielleicht auch an das erinnern, was der alte Angler Chronist Pastor Jen- sen-Gelting 1844 in seinem Buche über die „Zäune und Knicks" schrieb. „Wer erkennt in Angeln jetzt nach dem äußeren Ansehen, welches es genommen hat, das, was es einst war, ein Land voller Wälder und Sümpfe? Freilich, noch hin und wieder sind Waldungen, besonders die Königlichen Gehege, auch noch in manchen Orten schöne Bauernhölzungen, die ge schont werden; aber wie viele Hölzungen sind bei Menschengedenken niedergehauen, wie manche haben noch jedes Jahr das selbe Schicksal! Und schon fängt die Feue rung an, vielerorts ein kostbarer Artikel zu werden; die Moore werden stark in Anspruch genommen, wo sie noch sind, und schon meilenweit holt man den Torf: voni Satruper Moor bis nach Gelting hin. Wer etwas Moor hat, besitzt darin einen Schatz. Wie wird es damit in der Zukunft werden? Beispiele anderer Gegenden liegen uns vor Augen. So war die Insel Aeröe einst ganz bewaldet und ist jetzt kahl. Bis zum Stoppelbrennen, wie in den Marschen, wird es in Angeln freilich nicht kommen; wir haben doch Zäune und Knicken, aber mit dem Busch derselben werden viele in Zukunft sich behelfen müssen und die Zäune segnen, die wir ohnehin deswegen Ursache zu segnen haben, weil sie es sind, die die Kinder des Viehhütens entheben und ihnen gestatten, die Sommerschule zu besuchen." Also haben auch unsere Knicks dazu beigetragen, daß Wissen und Können hin eindringen konnten in die Häuser der Landleute, deren Felder sie umhegten. Und das, was die Väter und Vorväter gelernt haben, hat sich fortgeerbt und hat den Landleuten Vorteile gebracht, bis auf den heutigen Tag. Sollte das nicht auch hier und da ein Fünkelchen Dankbarkeit er wecken gegen die Vorfahren und das, was sie geschaffen und gepflanzt haben?! — Und in dieser unserer Zeit, wo die Augen heller werden, und der Geist empfänglich für Alles das, was die Natur an Schönem uns bietet, da muß man immer wieder auf die sichtbaren und heim lichen Schönheiten hinweisen, die in und zwischen den Knicks sich dem darbieten, der sehen gelernt hat. Lange bevor die ersten Windröschen sich an den Süd-Abhängen des Knicks heraus wagen, haben schon die Haselbüsche! mit ihren Palmen und den pupurroten Blü- tenkrönchen ein Frllhlingsahnen in den Herzen der Menschen wachgerufen. Dann folgen die silbergrauen Kätzchen der Wei den. Allmählich wird's grün zwischen den Sträuchern, unter ihnen am Wall wirken Butterblumen und Veilchen leuchtende Farben in den dichten Teppich von Kraut und Unkraut. — Nichts Schöneres als so ein Knick mit feinem verschiedenartigen Laub- und Bliitenschmuck im Frühling!