107 Unsere Knicks. Von Georg Asmnssen in Westerholz. Wenn ein Sohn der schleswig-holsteini schen Geest auch noch so weit in der Welt umher wanderte, wenn er auch von den Bergen der Schweiz und vom Rande des Niagara die Wunder der Natur anstaunte, so wird doch nichts so sehr ihn entzücken, nichts so sein Herz mit heißer Heimat liebe erfüllen, als wenn er vom Schers berg oder von einem anderen hohen Punkte aus sein meerumschlungenes Land im Sommerkleide vor sich liegen sieht. — Was ist es denn, das diesem Bilde Leben und Charakter gibt? Nicht zum wenigsten unsere Knicks. — Und wie herrlich ist es im Frühling zur Morgenstunde zwischen diesen Knicks! Welch ein Leben, welch ein Tummelplatz für die kleine Tierwelt! Wie manches Wunder der Schöpfung birgt des Walles vielfarbige, aus efeuumsponnenen Wurzelknorren immer wieder üppig auf sprießende Krone! — Es gibt wohl kaum einen einheimischen Baum oder «tranch, der nicht auf unseren Knicks seinen Platz sich erobert hat. Die Heimatvereine sollen nun mit ihren Armen diese unsere Knicks schützen, da der Landhunger seine Hände ausstreckt, um sie nieder zu reißen und Drahtzäune an ihre Stelle zu setzen. Dies Schützen und Erhalten kann aber nur mit verstän diger Berücksichtigung der Verhältnisse ge schehen, die unsere Landleute dazu treiben, stellenweise ihre Knicks zu beseitigen. Das soll hier gleich vorweg gesagt sein. Es ist ja nicht die Sucht, das zu ver derben, was die Vorväter geschaffen haben: es ist nicht immer unberechtigte Landgier und schnöde Habsucht die Triebfeder zu solchem Vorgehen, sondern es ist meist das Streben, den von den Vätern ererbten Besitz zu verbessern. Mancher junge Be sitzer hat auch mit des Vaters Erbe schwere "asten übernommen, denn die Geschwister müssen ihre Aussteuer und ihr Erbteil erhalten, und die Eltern sitzen ans der Ab nahme und müssen auch leben. Er muß also Umschau halten, wie das Einkommen zu mehren ist. Da liegt nun vielleicht so ein nasses ^reieck in seinem Lande, das schlecht drainiert ist, auf dem Binsen und Schach telhalm wachsen. Er legt Röhren und füllt den Boden auf und düngt, und jeder lobt den Fleiß des tüchtigen Mannes. Da liegt nun ferner so ein über einen Meter hoher und unten zwei Meter breiter Knick nach Süden zu vor seiner Weizenkoppel: jen seits dieses Walles nach dem Wege zu ist noch ein 2 Meter breiter Streifen Land, der mit Buschwerk bewachsen ist. Der Knick beschattet auf der ganzen Länge sein Land, daß der Weizen nachher dort kurz und dünn steht: der Streifen am Wege ent lang gehört dem Anlieger eigentlich auch noch. Ist er nun ein fleißiger und tüchtiger Mann, wenn er im Schweiße seines An gesichts die uralten „Stemme!" der Knicks ausrodet, wenn er mit der Erde des Walles die Gräben zuwirft und auf diese Weise — mit viel Arbeit und manchen Kosten — einen recht breiten Streifen sonnigen Landes gewinnt? Oder ist er ein schlechter Kerl, ein gedankenloser „Bauer", der mit plumper Hand das antastet, was seine Ur väter zur Verschönerung der Landschaft schufen?! — Es kommt auch vor, daß durch Ankauf angrenzender Ländereien oder Aenderung der Schläge aus zwei Aeckern einer gemacht wird. Dann wird der dazwischen liegende Knick nicht nur entbehrlich, sondern so hinderlich, daß der Besitzer ihm zu Leibe gehen muß. Es gibt auch Landleute, die das sehr ungerne tun, denn manchem von ihnen ist der Knick lieb, hinter dem er als Junge gelegen hat, und in dem er so man ches Mal seinen Nußbeutel füllte. Und wenn er die alten knorrigen Wurzelstöcke ansieht, die ausgerodet werden müssen, so denkt er an Tagelöhne, die das kostet. Auch an sein Vieh denkt er, das hinter den dichten.Büschen im Frühling und Herbst Schutz fand vor kalten Winden und Regenschauern, denn das Buschwerk wird immer erst dann abgehauen, wenn das Grasland umgepflügt und wieder Korn gesäet wird. _ Ja, der Knick gibt auch seine Ernten. Die Bauerfrau wird schelten, wenn ihre „Holzkasse" nicht wieder gefüllt wird, denn