Nach der Norm soll das Futter ent halten 13,9 bis 16,6 Pfund Stärkewert mit einem Gehalt von 2,8 bis 3,2 Pfund Ei weiß und 0,8 Pfund Fett. Der Stärkewert dient neuerdings viel fach als Maßstab für die Bewertung der Futtermittel. Dafür ist er ohne Frage wegen seiner großen Kompliziertheit durchaus ungeeignet. Es wird überhaupt niemals möglich sein, einen für alle Fut termittel gemeinschaftlichen Maßstab zu finden; dazu sind die Zwecke, die mit der Fütterung erreicht werden sollen, zu ver schieden und ebenso naturgemäß die Ge sichtspunkte, von denen bei der Beurtei lung des Wertes der Futtermittel auszu gehen ist. So wird der Fall häufig vor kommen, daß ein eiweißreicher Oelkuchen als Kraftfutter für Milchvieh preiswert, dagegen als Kraftfutter für Masttiere zu. teuer ist. Wie bereits oben ausgeführt wurde, so unterscheidet sich die Mästung ausgewach sener Tiere, wobei es zur Hauptsache auf die Bildung und Ablagerung von Fett im Körper ankommt, sowie die Ernährung von Arbeitstieren sehr erheblich von der Ernährung von Milch- und Jungvieh. Die Fett- und Krafterzeugung wird besser (und auch billiger) durch die stickstoffreien Nährstoffe (namentlich Stärkemehl und Zucker) erreicht als durch das verdauliche Eiweiß. Es ist, wie gesagt, das unbestrittene Verdienst Kellners, durch seine Unter suchungen den Anstoß gegeben zu haben, daß heute mit den alten, der Erfahrung widersprechenden Futternormen für Ar beitstiere und ausgewachsenes Mastvieh endgültig aufgeräumt ist, und die Erkennt nis sich allgemein Bahn gebrochen hat, daß eine verhältnismäßig eiweißarme Fütte rung mit einem Nährstoffverhältnis von 1 : 8 bis 1 : 10 schon vollauf genügt, um eine vorteilhafte Mast und eine ausrei chende Ernährung von Arbeitstieren durch zuführen. Diese Wendung in der Entwicklung der Fütterungslehre ist mit großer Freude zu begrüßen, bedeutet sie doch das Ende jahr zehntelanger Widersprüche und Gegensätze, eines jahrzehntelangen Kampfes zwischen Wissenschaft und Erfahrung auf einem für den ausübenden Landwirt sehr bedeutungs vollen Wissensgebiet, eines Kampfes, wel cher infolge der durch ihn verursachten vielfachen verkehrten Maßnahmen der Landwirtschaft leider viel Geld gekostet hat. <^=3®EEE==^ Eckernsördes Gründonnerstag. Aus den Erinnerungen einer Von Felix Der 5. April 1849 — Eckernsördes Gründonnerstag. — Wie Frühlingssturm weht es mich an, wie Frühlingssturm, der den frischen, salzigen Hauch von unsrer weiten, blauen Förde durch die alten, engen Gassen mei nes Vaterstädtchens treibt, und der Donner von hundert Geschützen hallt in meinen Ohren. Mein Herz schlägt höher, und eine Reihe unvergessener Bilder steigt aus dem Nebel der Vergangenheit empor. Es ist am Spätnachmittag des 4. April 1849. Die Glocken haben den Grün donnerstag eingeläutet, und das alte Städtchen an der Förde atmet Friede und Feiertagsstimmung. Blitzblank sind die niedrigen, alten Kleinbürgerhäuser, denn alten Schleswig-Hol st einerin. Schweißer. überall ist großes Reinmachen gewesen und die letzte Hand ans Werk gelegt. Ich sitze mit Mutter und Schwestern in der Küche und zupfe Grünkohl für morgen — es ist alter Brauch im Städtchen, daß am Gründonnerstag der letzte Grünkohl des Gartens auf den Tisch kommt. Die letzten goldenen Sonnenstrahlen fallen durch die niedrigen,, bleigefaßten Küchenfensterchen, das Herdfeuer knistert, und draußen auf dem Hofe pfeifen und schwatzen die ersten Stare im alten Birn baum, der seine knospenschwellenden Aeste kahl in den blauen Frühlingshimmel streckt. Sonst.ist es still, märchenstill, wie es nur in einer kleinen Stadt gegen die Dämmerstunde sein kann. Und doch —