57 - Ton der Innigkeit, „aber ich erwähle Dich zu meiner Gattin, und Dein Glück soll mir nicht weniger teuer sein, als wenn Tu mir ebenbürtig, aus königlichem Stamme wärest." Jetzt erst wagte Christina den Hoff nungen zu vertrauen, die in ihrem Her zen erwacht waren. Sie umschlang den Geliebten mit der ganzen Hingebung ihres reichen, nur von ihm erfüllten Ge müts und legte verschämt, aber innig, das Gelübde ihrer ewigen Liebe und Treue an seinem Busen ab. Zum größten Erstaunen seiner Umge bung, die von dieser schnell entstandenen Neigung nicht das geringste gemutmaßt hatte, weihte sehr bald der aus Kopenha gen herbeigerufene Hauptpastor Mads Jensen die morganatische Ehe durch seinen priesterlichen Segen, und sie gewährte dem Könige eine Reihe von Jahren hindurch alle die Zufriedenheit, die er sich von ihr versprochen hatte. Christina gebar ihm dreizehn Kinder, von denen er jedoch zu feinem großen Schmerze fünf verlor. Christian ernannte seine Gemahlin zur Gräfin von Schleswig-Holstein und gab den Kindern, die sie ihm geboren hatte, den Rang ihrer Mutter und verheiratete sie späterhin mit den vornehmsten Fami lien seines Königreiches. Doch wie nur selten ein günstiges Ge schick bis zum Ende einen Menschen beglei tet, so türmten sich auch späterhin Wolken an Christinens Himmel auf. Wegen Ver dacht der Untreue trennte sich der König nach fünfzehnjähriger Ehe von Christina, nahm ihr die früher verliehenen Titel und verbannte sie auf eines der ihr ge schenkten Schlösser mit Namen Boller. Daß Christinens Herz jedoch nach lan gen Jahren der Trennung und Zurück setzung nicht ganz gegen das Andenken des Königs erkaltet war, beweisen die Tränen, welche sie über seinen Tod, der im Jahre 1648 erfolgte, weinte. Sie soll, als sie die Todesnachricht erfuhr, in die Worte ausgebrochen sein: „Wer sollte gedacht haben, daß ich um König Christian noch Tränen vergießen könnte?" Die Keichsversicherungsvrdnung. Was bringt sie Neues auf dem Gebiete unserer sozialen Gesetzgebung? Die Reichsversicherungsordnung bildet mit ihren 1805 Paragraphen neben dem Bürgerlichen Gesetzbuch das umfangreich ste Reichsgesetz. Im April 1909 erfolgte zunächst die Veröffentlichung des Ent wurfs der Reichsversicherungsordnung. Nachdem dann die Oeffentlichkeit diesen Entwurf einer eingehenden Kritik unter zogen, wurde letzterer mit wesentlichen Abänderungen im Jahre 1910 dem Reichs tage vorgelegt, welcher die erste Lesung des Gesetzes in drei Sitzungen am 18., 19. und 20 April erledigte und den Ent wurf einer Kommission von 28 Mitglie dern überwies. Erst nach einem Jahre kam der Gesetzentwurf ins Plenum zurück, gelangte vom 6. bis 22. Mai cr. zur zwei ten Lesung, um am 31. Mai in dritter Lesung verabschiedet zu werden. Eine Vereinheitlichung der einzelnen Versicherungszweige bringt, was sich aus der historischen Entwicklung unserer so zialen Gesetzgebung erklärt, auch die Reichsversicherungsordnung nicht; sie paßt sich dagegen den modernen wirt schaftlichen Verhältnissen an und gibt den verschiedenen Versicherungszweigen eine möglichst einheitliche materielle Unterlage. Demgemäß umfaßt auch die Reichsver sicherungsordnung die Gruppen: Kran ken-, Unfall-, Jnvaliditäts- unb Alters versicherung, wozu die Hinterbliebenen versicherung neu hinzutritt. Träger der Versicherung bleiben, wie bisher, die Krankenkassen, die Berufsgenossenschaften und die Versicherungsanstalten. Einheit lich geregelt ist dagegen die Gliederung der Versicherungsbehörden. AIs solche kommen in Zukunft in Betracht die Ver sicherungsämter, die Oberversicherungs ämter, das Reichsversicherungsamt und die Landesversicherungsämter. Die Vcrsiche- rungsämter bilden gewöhnlich eine jeder unteren Verwaltungsbehörde anzuglie