70 mittags wird es auf dem dämmerigen Heuboden dunkel wie bei Nacht — dichter, weicher Schnee fällt draußen nieder und bedeckt Eulenloch und Ritzen und Fugen, die Licht durchließen. Die ganze Nacht bleibt der Schnee fall bei, und als Vater am frühen Mor gen des nächsten Tages, des 6. Januar 1814, aus der Lohtllre guckt, ist Moor und Feld meterhoch verschneit, so daß we der Wall noch Weg mehr zu erkennen ist. Und plötzlich sieht er aus der Ferne schwarze Kosakenpulke nähertraben, und schleunigst eilt er in sein Versteck zurück. Stundenlang hört er sie dann vorbeizie hen, ja, ein paar Mal hört er sie sogar unter sich auf der großen Diele lärmen, und sein Wirt kommt herauf und erzählt ihm, daß heute der Waffenstillstand abge laufen sei, während dem die Kosaken die Demarkationslinie zwischen Husum und Eckernsörde nicht überschreiten durften, und daß sie jetzt weiter nordwärts zögen. Doch noch wagte Vater nicht heimzukeh ren, denn wer konnte wissen, ob nicht noch Kosaken dort lagen oder in den nächsten Tagen zurückkommen würden? So blieb er denn noch bis Mitte Januar, wo der Kieler Friede geschlossen wurde und die Kosaken nach Holstein zurückgingen, bei seinem Freunde in Böklund. Dann wanderte er über Brekendorf, wo seine Eltern, die ihn schon tot und ver loren geglaubt hatten, vor Freude schier „ut de Tüt" gerieten, nach Feldscheide zurück. Sein Pferd fand er auf der Katen stelle nicht mehr vor, ein ihm-übelgesinn ter Kerl hatte es den Kosaken verraten, und die hatten es natürlich mitgehen hei ßen. Wenige Tage später hörte Vater in der Wirtsstube zu Feldscheide, daß die Holzbunger Bauern sein Pferd beim Ab züge der Kosaken bemerkt hätten; ein Un teroffizier oder Wachtmeister habe es ge ritten, und die Holzbunger hätten gesagt: „Kiek, dor rien se mit Jörn Tams sin Voß aff; wo geiht he hoch mit de Steert." — Doch dieser Verlust war zu verschmer zen, aber welcher Schreck durchfuhr mei nen Vater, als er seinen Schatz aus dem Moor holen wollte und ihn nicht an der vermeintlich bestimmt eingeprägten Stelle fand! Schon hatte er jede Hoffnung auf gegeben, als er, mechanisch mit seiner Ei senstange weiter im Moor purrend, plötz lich aufjubelnd auf etwas Klingendes stieß — er hatte sein Geld wiederge funden! — So ist Vater glücklich durch alle Fähr nisse des Kosakenwinters gekommen, und bis an sein Ende ist der altgläubige, bibel feste Mann der sicheren Ueberzeugung ge wesen, daß eine höhere Hand, die während seiner Verfolgung den Nebel steigen ließ, ihn beschützt und beschirmt habe. Die zweckmäßige Behandlung und Düngung der Wiesen. Von Dr. T a n c r 6. Mit Recht wirh in der Landwirtschaft unter den gegenwärtigen Verhältnissen einem ausgedehnten Viehzuchtbetriebe in besonderem Maße Aufmerksamkeit gewid met, so daß alle Mittel und Wege, wodurch die Viehzucht in vorteilhafter Weise ge fördert werden kann, sich neuerdings einer vielseitigen Beachtung erfreuen. Es gilt dies namentlich von einer sach gemäßen Behandlung der Wiesen. Durch eine solche wird indessen nicht nur der Viehhaltung, sondern auch dem Ackerbau in hervorragender Weise genützt. Um die Felder dauernd ertragsfähig und fruchtbar zu erhalten, mutz unter allen Umständen für einen ausreichenden Ersatz der durch die Ernten dem Boden ent zogenen Pflanzennährstoffe Sorge ge tragen werden. Daß für diesen dem Acker zu leistenden Ersatz die Wiesen von grüß-