58 stehen. Wir nahmen keine Notiz davon und auch der Brander segelte weiter. Erst nachdem im Laufe des Nachmittags noch drei andere Schiffe sich uns bedenklich näherten, schöpften wir Verdacht, umso mehr, da sie auch nach Sonnenuntergang in unserer Nähe blieben. Bei unserer Abendmusterung wurde die Gefechtsrolle noch einmal durchgenommen, die Kanonen wurden scharf geladen und Kugeln in die Nähe der Geschütze geschafft. Nach Be endigung aller zum Gefecht nötigen Maß regeln versammelte Kapitän Lassaie die Besatzung auf dem Halbdeck und teilte seinen Verdacht mit, indem er aussprach, daß es seine Absicht sei, im Falle eines Angriffes die Flagge auf das äußerste zu verteidigen. Dann ermahnte er jeden, auf seinem Posten bis zum letzten Augenblick auszuharren und seine Pflicht zu . tun. Gegen Mitternacht, als die Mondsichel durch die Wolken brach, erkannten wir in unserer nächsten Nähe drei uns verfolgende Schiffe unter französischer Flagge. Es wurde „Klar Schiff" geschlagen und der rote Aar flatterte an der Spitze der Gaffel. Sämtliche Kanonenpforten flogen in die Höhe, die Feldschlangen öffneten ihren ehernen Mund und ein Hagel von Ge schossen trug Tod und Verderben in die Reihen der überraschten Feinde. Hatten sie zwar keinen Angriff unsererseits er wartet, so waren sie doch gleichfalls zum - Kampfe bereit, so daß unser erster Gruß sofort mit einer Lage von dreißig Schutz, darunter 24pfündige Kugeln, erwidert wurde. Unser Kapitän war der erste, welcher von einer feindlichen Kugel töd lich getroffen niedersank und seinen Geist aufgab. Mit seinem Tode hörte jedoch auch jede Disziplin auf. Die noch Un verwundeten verließen die Kanonen, stri chen die Flagge und schrien um Gnade zum Feinde hinüber. Trotzdem unser Ge schützfeuer verstummt und die Flagge ge strichen war, erhielten wir dennoch gegen den Kriegsgebrauch eine große Anzahl Schüsse. Endlich kamen französische Boote mit Offizieren und Soldaten an Bord und besuchten unser Schiff. Die Soldaten sielen über unsere Besatzung her und plün derte sie bis auf das Hemd aus. Am nächsten Morgen wurden wir als Gefangene auf die 'verschiedenen Schiffs verteilt. Dann nahm man die wertvoll sten Sachen des Schiffsinventars und die Ladung an Bord und steckte unser Schiff unter vollen Segeln in Brand. Noch ein mal erdröhnte vom „Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg" her Kanonen donner, wie um uns noch einmal aus dem ehernen Mund der scharf geladenen Ge schütze den letzten Abschiedsgruß zuzuru fen. Bald darauf tauchte der Bug des Schiffes zuerst ein und wenige Mi nuten darauf zeigten die zusammen brechenden Wellen, wo das Schiff unter gegangen war." Weil die Staatszuschüsse immer höher wurden, verkaufte König Friedrich I. im Jahre 1720 die afrikanischen und westindi schen Besitzungen an die holländische West indische Handelsgesellschaft zu Amsterdam für 6000 Dukaten und 6000 Gulden. Jetzt erinnert nur noch eine sehr schöne auf Befehl des Großen Kurfürsten ge prägte Medaille an die großen Hoffnun gen, welche einst auf den afrikanischen Handel gesetzt wurden. Die Vorderseite der Medaille zeigt einen an der Küste knienden Neger, welcher in den Händen eine mit Goldstaub und Elfenbein ge füllte Schüssel hält. Auf dem Meere sieht man eine Anzahl von Schiffen, die Um schrift lautet: Coepta navigatio ad oras Guinea an. MDCLXXXI feliciter. / Glücklich begonnene Schiffahrt nach den Küsten von Guinea /. Auf der Rückseite ist ein vollgetakeltes dahinfahrendes Schiff abgebildet, in dessen Segel Engel den Wind blasen, mit der Umschrift: Deo duce auspicys Serenissimi electoris Bran- denburgici. / Unter Gottes Führung, dem Schutze des erlauchten Kurfürsten von Brandenburg /. Aber auch die Holländer sind nicht dauernd im Besitze der Guinea-Nieder lassungen geblieben. Sie unterlagen der Macht Englands. Im Jahre 1871 tra- ten sie alle Handelsstationen an der Gold- küste, Elmina, Annemaboe, Sekanda, Jschama usw. gegen eine Geldabfindung an die Engländer ab, so daß diese jetzt die ganze Küstenstrecke unter dem Namen Golony of the Goldcoast im Besitz ha ben. Die Kolonie ist ungefähr 43 000 Quadratkilometer groß mit 600 000 Ein wohnern.