574 Garnache . Garimche ( Francisca von Rohan , Frau de la ) war die Tochter des Renatus von Rohan , des I dieses Namens , und der Isabella , einer Tochter des Johann von Albert , Königes von Navarra . Sie war folglich eine leibliche Muhme der Io - Hanna von Albert Heinrichs des großen Mutter . Eine so mächtige und ansehnliche Verwandtschaft , nebst dem sebr alten Adel des Hauses von Rohan , ist nicht vermögend gewesen , sie vor der allerempsindlichsten Ungerechtigkeit zu bewahren , die einer Per - son von ihrem Gcschlechte widerfahren kann . Der Herzog von Nemours hatte ihr die Ehe versprochen , und deswegen von ihr alle Gunstbezeugungen erhalten , die er hoffen konnte ; mit einem Worte und ohne Umschweif , er hatte s>e geschwängert . Als er zur Erfüllung seines Versprechens aufgefordert ward , so hat er mit so viel größerer Kühnheit darüber gespottet , da er sah , daß Anton , König von Navarra , ob ler jgleich der erste Prinz vom Geblüte war , entweder nicht Kräfte oder nicht Ansehen genug hatte , ihn zu zwingen , die Ehre dieses Fräuleins wieder zu ersetzen . Noch schlimmer war es , da der König von Navarra , der unter währenden , Triumvirate einigermaßen Gewalt hatte , getödtet worden war . Der Herzog von NemourS , der Frankreich beym Anfange der Unruhen verladen , weil man entdeckt hatte , daß er den Herzog von Anjou , König Carls des IX Bruder , hatte entführen wollen b , war bald wieder zurückgerufen worden , und hatte wider die Reformirten nußliche Dienste gethan . Dieses und der Tod des Königes von Navarra munterten ihn auf , bey dem £ofe zu Rom auf die Vernichtung seines Versprechens zu dringen . Er erhielt alles , was er , wollte c ; das gute Recht des Fräuleins von Rohan ward gänzlich unterdruckt , weil sie sich für die Hugonottische Partey erkläret hatte ( A ) ; so , daß sie den Schimpf verschlucken mußte , Mutter zu werden , ohne daß sie ' ' " " ' " Mißvergnügen hatte , daß sich ihr ungetreuer Liebhaber . mit der Witwe des Her - ? verheirathet gewesen war , und zugleich das —3 — — - - - - - - zogs von Guise vermählte , und über alle geehrt , und von den Damen geliebkoset wurde , als wenn er der ehrlichste Mensch von der Welt gewesen wäre . Ihr ganzer Trost war der Titel eines Prinzen von Genevois , den sie ihren Sohn führen ließ ( B ) : Und sie selbst nennte luan die Hrau de la Garnache d oder die Herzoginn von LoudunoiS e . Sie hat sich bey ihren Gütern un - ter wahrenden bürgerlichen Kriegen auf eine geschickte Art erhalten ( C ) . Vermutlich redet Brantome von ihrem Abeir - theuer ( v ) . VarMaS hat weitläuftig davon geredet , und darbey viele Schnitzer gemacht ( E ) , davon einige so grob sind> daß man sich der Verwunderung nicht enthalten kann . a ) Heinrich von Albret , Köniq von Navarra , der Sohn des Johann , und Bruder der Isabel ! « von Albret , ist der Vater dieser Jo« " " »jj . . ^— . iag . 808 , Tom . 11 , pag . 34 . f ) Varillas , Hiüoirc da ame einer Stadl in Poitou . , ) Dieses . Herzogthum ist banna von Albret gewesen , b ) Le Laboureur , Addit . a Caftelnau , Tom . I jpag . 808 , Tom . 11 , pag . 34 . Charles IX , Tom . II . pag . 34 , ex Thuan . Libr . XXXIX . d~ ) Dieß ist der Name einer Stadl in Pojtou . im 157 ? Jahre errichtet worden . ( A ) Sie hatte sieh für die hugonottisthe partey erkläret . ) Wenn man demAubigne hierinnen nicht glauben will , so muß sein Zeug - niß durch des Thuanus seines bestärker werden . Man hac nocl ? die heimliche - Heirath des - Herzogs von Ncmonrs , und der Francisca von Rohan getrieben ; allein die Rlagcrinn har wegen des - Hast fes ihrer Religion nichts arisrichten können ; und der andre hat Macht bekommen , die Witwe von Guise zu heirachen . D'Aubi - gne , Tom . I , Livr . IV , chap . VI , ausS 1566 Jahr . Jetzo »vollen wir die Worte des Thuanus , im XXXIX B . 7 * 5 S . bey mir , hören . Lodern tempore , das heißt im 1566 Jahre , Iis olim acitata inter Francifcam Roanam et Iacobum Sabaudum Nemorofium , et fuperftite Naiiarro , qui Roanae cognatae patrocinabatur intermill'a denuim renouata , et praeualente hinc Nemorolii gratia , inde ODIO religio nis PROTESTANT1VM , cui Roaita addi & a erat , praegrauante , inter - uentu Pontificis decifa eft , fchedula Nemorolii de matrimonio prae - fentibus vcrbis contra & o irrita pronunciata . ( B ) Ihr ganzer Trost war der Titel eines Prinzen von Gene , vois , den sie ihren Sohn führen lief ? . ] Wenn ich Virgils Begriffen gefolgt wäre , so würde ich gesagt haben , daß sich diese Dame wegen des Verlusts ihres Liebhabers durch den Sohn getröstet hatte , den er ihr lassen hat ; allein unsre Damen haben t£ ichon vor langer^eik nicht so gemacht , wie die Dido dieses großen römischen Dichtere . Diex eine von ihren größten Kränkungen gewesen , daß sie ihr Liebhaber vcrltssen , ohne daß sie einen Erben von ihm hatte ; und sie würde lange nicht so betrübt gewesen seyn . wenn sie nur ein kleines Puppchm von ihm gehabt , oder wenn sie sich wenigstens schwanger von ihm befunden hätte . Saltem fi qua mihi de te fufcepta fuiflet Ante fugam foboles , fi quis mihi paruulus au ! » Luderet Aeneas , qui te tantimi ore referret , Non equidem onuiino capta ac deferta viderer . Virgil . Aeneid . Libr . IV , verL zz ? . Eine so starke Zärtlichkeit würde auch heutiges Tages für die Römer nicht gut seyn ; so sehr ist sie dcm Gebrauche zuwider . Das größte Bcirübniß derer , denen ein Liebhaber das Wort nicht gehalten , besteht nicht darin - neu , daß man ihnen mehr verwilliget , als man gesollt , sondern , daß man die Folgen nicht vermeiden können . Eine Schwängerung , ein Kind , sind Ueberzeugungen der Schande , die alle Zungendrescherey zu vernichten , im« vermögend sind : ES sind redende Beweise , et Iure meridiana clariores ; <6 sind unverwerfliche Zeugen , et omni exceptione maiores . Dieß ist also die Hauptquelle des Unglücks und der Trostlosigkeit . Querto e quel ehe piu inafpri i miei martiri . Ich glaube auch , saget Brantome , das Frauenzimmer betreffend , das er bcy Hose gesehen , ( Difcours de Ca - ther . de Medicis , pag . 100 ) daß die beste Zeit , die sie jemals gehabt und die man ihnen wünschet , die , eilige ist , da sie Jungfern gewe - sen ; denn sie haben ihren freien Willen gehabt , so wohl Non - nen der Venus , als der Diana zu seyn : daß sie aber audj die Äliiabeit , Getckickliclikeir und Wissenschaft gebabr hatten , sich vor dem Vauctisclnvellen zu hüten . In gewissen Absichten muß man bekennen daß das Schicksal der Frau de la Garnache der Dido ih - rem ziemlich gleich gewesen ; denn ihr Liebhaber hat , ^ wohl als AeneaS , vorgegeben , daß er nicht daran gedacht , sie zu heirathen . Nec coningis vnquam kraetendi taedas , aut haec in foedera veni . Virgil . Aeneid . Libr . IV , vers . 33J . ( C ) Sie hat sich - , - nntet wahrenden bürgerliche« Rriegen auf eine gedickte Art erhalten^ Aubigne wird hier mein einziger Schriftsteller feyn , Tom . III , Libr . I , cap . XIU , aufs >5« ? Jahr 65 ©■ Man muß hier dazu setzen , saget er , daß die Frau de la Gana« che , die Schwester des Herzogs von Rohan , die Stadt Ganache und das „ Schloß Beauvvi« am Meere , bey der Unparteylichkeit erhalten , indem „ sie sich mit ihren Untertänigkeiten und Kunstgriffen geschützet , die ih - „ rem Geschlechte und Staude nicht nachtheilig seyn konnte . Ihr Sohn , „ der Prinz von Genevois , ( wegen der vorgegebenen Heirath seiner Mut - ter mit dem Herzoge von Nemours , also genannt ) der sich Ganache „ durch Verstandniß mit den Hausgenossen , die viel von ihm hofften , be - „ mächtiget harre , hoffte von da den Krieg ftir feine Partey und zu seiner . Nothdurst zu führen . Er faßte auch einen Anschlag auf BcmwoiS , „ weil es aber verrathen ward , so ward er von seiner Mutter gefangen „ DerAusschlag von allem diesem ist gewesen , daß der König von Navar» „ ra , der sich darein mischte , seine Freyheit und durch gleiches Mittel „ den Platz erhalten ; als die Frau des OrteS , die sich auch Herzoginn von „ LoudunoiS nennte , sah , daß die Sachen des Landes für die reformirte »Religion sehr vortheilhaft wären , dazu sie sich bekannte : weswegen man „ damals acht Plätze zehlen können , die es mit den Reformirten gehal» „ ten , „ Er redet der Länge nach von der Belagerung Garnache im II B . l , und >6 Cap . Endlich hat sich die protestantische Besatzung dem Her« zöge von Nevers ergeben müssen . Man kann unter die Unterthänigkei» reu und Kunstgriffe dieser Dame kühnlich die Briefe rechnen , die sie ar» ihrm , inLusignan belagerten Bruder , geschrieben . ( Thuan . Libr . l . IX , ad ann . 1574 , pag . 99 . ) Sie Hat alles gethan , was sie nm gekonnt , un» ihn zu bewegen , sich auf die vorrheilhasten Bedingungen zu ergeben , di« ihr der Herzog von Montpensier anboth : Allein sie hat nichts dadurch getvonnen . ( D ) Vermrtthliöh redet Ärantdme von ihren« Abentheuer . J Er saget , daß er ein Frauenzimmer von großein - Hause gekannt , die von einem braven und galanten Prinzen schwanger gewo»> den . - - - Der Ronig - Heinrich hat e» zuerst erfahren , we> chee ungemein darüber erzürner geworden ; denn sie war ihin ein wenig verwandt . - . < - & cy einem Kalle forderte er si« zum Fackelranze auf , und darauf ließ er sie mir ei>»em andern viv Galliarde und anvre Tanze ranzen , wobey sie , mit ihrer Leibes» gestalt , die sehr schon war , und welche sie diesen Tag so wohl gepuyt , daß sie nidn deni geringsten Schein der Schwanger» scliafr hanc , ihreGesch - ckliclikeit und Fertigkeit besser , als fcmala gezeigt : so , daß der Ronig zu einem sehr Großen von seinen Ver» eraureften gesagt : es sind wohl bose und schandliche Leute , vie r» erdichtet haben , daß dieses armeMZgdchen schwanger wäre . * , < Sie haben gelogen , sie haben Arofi Unrecht ! Also hat de» Rönig dieses schöne und ehrliche Fräulein entschuldiget , und sol - ches auch der R6niginn gesagt , bey welcher er die Nacht geschla - fen : Allein die Roniginn , welche darauf nidtt traute , hat sie de» andern Tages früh in ihrer Gegenwart besichtigen lassen , und si« 6 Monate schwanger befunden ; welches sie ihr bekannt und ge» standen , daß alles unter dem Versprechen der Khe geschehe«» wäre . Gleichwohl hat der Ronig , der vollkommen gütig war , das Geheimniß so gut , als er gekonnt , verborgen gehalten " obns Veschimpftmg des Fräuleins , obgleich die Rötiiginn darüber Heft rig erzürnet gewesen ; scdoch haben sie dieselbe im geheim zu ih - ren nachfien Verwandten geschickt ! , wo sie einen schonen Rnabcn zur U ) elt gebracht , welcher gleichwohl so unglücklich gewesen , daß er niemals von seinem angegebenen Vater erkannt worden , und die Sache ist sehr lange getrieben worden , allein , die Mmrer : har dabey niemals etwas gewinnen können . Krantome , Dame» Galantes , Tom . II , paß . IN . 370 . Es ist nicht schwer , hierinnen die Frat» von Garnache zu erkennen , welche Staatsfränlein der Catharina von Medieis zur Zeit diefts Zufalls gewesen . Brantome machet in dem Di» seourse von derEachai ina von Medicis das Fräulein von Rohan zur vor - nehmsten von den Sraatssräuleins , die er bey den Königinnen von Frankreicb gesehen hatte . Sie ist nicht die einzige gewesen , welche in den Dimstm dieser Königinn einen solchen Lohn gewonnen hat . < » ) Varillas hat - - , und dabey viel S<l ) niner gemacht . ? In der Historie Henmch« des III , im ; B . i8 u . f . S . holländischer Aus - gäbe , redet er so davon ; Jacob , erster - Herzog von V7emotirs , votf zugsweist der schone und galanre Tavalier genannt , harre di« Francisca von Rohan geliebt , die bcy - Hofe unter dem Namen des Frauiems von Jlcon erschienen . - - - tLr hatte ihr eine förmliche - Heirathsversprechung gegeben . Dieses Fraulcin hat dazugejcnt , daß diese Versprechung von der gegenwärtigen 3eic gewesen , und daß die Ehe vollzogen worden . Es waren noch keine Rinder daraus entsprossen , und die Sachen noch in Oer Un« gewlßheit geblieben , als Polrror den - Herzog von Guise te . - - - Die JLiebe des - Herzogs von Nemours gegen die - »zerzoginn von Guise entzündete sich so gleich wieder , da sie «Dir« xve geworden war , und er heirathete sie , ehe das Fräulein von - L . eon alle Entschließungen genommen hatte , die sie nörhig gc habt , einen Einspruch dawider zu thun . Ihre Anverwandten , öie ihr vor der Umreue des - Herzog« von Nemour» nur mittel - mäßig