88 VI . Ter österreichisch - italienische Krieg . ' das Gefühl der Nationalität . Es wäre die große Aufgabe der österreichischen Regierung gewesen , diese Gegensätze zn vermitteln , als es noch Zeit war . Mau mußte Oberitalien fester an Deutschland an - schließen und zugleich dem Streben nach Nationalität volle Rechnung tragen . Diese Ausgabe war schwierig , aber nicht unlöslich . Man hüte sich nur auf dem politische« Gebiete vor den leichtesten und bequemsten Wegen : sie führe» entweder zn nichts , oder sie sind geradezu verderblich . In der jetzigen Weltlage ist nichts dienlich als große Entschlüsse uud große Unternehmungen . Ein italienischer Bund , der die Gemeinschaft in Gesetzgebung , Zollwesen , in allen materiellen Verhältnissen herbeige - führt hätte , würde den verständigen Wünschen der Italiener damals genügt haben . Nichts ist davon geschehen , zum unersetzliche» Schaden aller Theile ! Der Kampf hat begonnen . Wenn er mit der Niederlage der österreichische» Waffen geendet hätte oder je endigte , so würde deshalb Italien keineswegs frei werden in dem Sinne , der ans einer wirklichen Unabhängigkeit vom Auslande beruht . Auf lauge Zeit hinaus kann Italien diesen Grad der Unabhängigkeit nicht erlangen . Ter Gegensatz zwischen den . Einzelstaaten liegt dort tiefer als irgendwo . Seit dem Falle des römische» Reichs hat die Halbinsel kein eigentliches Gemein - wesen geka»nt . Sobald die Gefahr vorbei wäre , würde es sich sofort zeige» , welches Grades von Gemeinschaft Neapel , der Kirchenstaat , Toseana und Piemont wirklich sähig sind . Wie ich schon früher sSt . B . I gesagt habe : Oberitalien wird in dem Augenblicke , wo es sich von Deutschland trennt , in die Hegemonie von Frankreich , Unteritalien in die Englands verfallen . Daher ist es doppelte Pflicht , den gegenwärtigen Augenblick zn ergreifen und die allerdings schwierige Aufgabe der Ver - Mittelung anzutreten . Sie läßt . sich , vom deutschen Standpunkte betrachtet , so sormnliren : Das Laud bis zum Mincio bleibt bei Oesterreich und Glied eines italienischen Bundes . Zugleich ist zu wünschen , daß Oesterreich dieses Laud durch bestimmte Verträge in nähere Verbindung mit Deutschland setze . Das Verhältniß der ehemaligen „ zugewandten Orte " in der Eidgenossen - schast " könnte hier einigermaßen als Muster dienen , im Wesentlichen also : Gewährleistung und Schntzbündniß zur Verteidigung , ohne dies auf den Angriff zu erstrecken . Wer weiß , ob ein solches Vorbild nicht dazu bestimmt sei» könnte , auch andere Staaten , die Teutschland um - gebe» , zu einem ähnlichen Verhältniß hinzuleiten uud hierdurch eine