233 Struktur. Offiziell zeigte sich dies in den 1937 beginnenden Jahrestagungen der ReichsfiImkammer, auf denen Vertreter der verschiedenen am Film beteiligten Gruppen zu Problemen des Films Stellung nahmen, deren Ausführungen im "Jahrbuch der Reichsfilmkammer" publiziert wurden. Diese Tagungen wurden zwar nur dreimal abgehalten und fanden nach Kriegsbeginn nicht mehr statt; dafür setzte aber eine intensive Beschäf tigung mit den Problemen des Films ein, die in anderen Ver öffentlichungen ihren Niederschlag fand.^ In diesen Darstel lungen zeigt sich das stolze Selbstbewußtsein derjenigen, die davon überzeugt sind, ein neues Ausdrucksmittel als Kunst P erkannt und ihm die Würde einer Theorie gegeben zu haben. Gestärkt, wenn nicht gar hervorgerufen wurde dieses Selbst wertgefühl durch die politisch propagandistische Aufwertung des Films, die den Autoren schließlich ihren sicheren Rück halt gab. Sie gerieten bei der Erklärung des Films als Kunst nicht in die Rolle des Apologeten und damit in eine Position, die erst noch zu rechtfertigen hat, sondern sie gingen von dem Punkt aus, wo sie diese Frage bereits als entschieden hinter sich gelassen hatten. Sie eröffneten eine Diskussion, die der um andere Künste nicht nachstand, ja in jener Zeit vielleicht sogar voraus war, weil sie durch die größere Wir kung, die der Film den anderen Künsten gegenüber in der Be völkerung hatte, zumindest gesellschaftlich größere Relevanz besaß. Die Schwierigkeit, den "neuen Geist" in einem technisch neuen Medium mit den Mitteln einer überkommenen Dramaturgie auszudrücken, mußte nun zu Auseinandersetzungen reizen, wie es sie in dieser Form in den anderen Kunstarten natürlich nicht gab. Dabei interessiert den Philologen nicht so sehr die Beantwortung der spektakulären Frage, inwieweit die theo— 1 So wurde 1940 in Leipzig die erste und bis heute einzige deutsche Filmbibliographie, Das deutsche Filmschrifttum, von Traub/Lavies herausgegeben. 2 Vgl. dazu die Zitate der verschiedenen Autoren in Kap. D. II. b.