P 380 A Religionsbegriffen angemessene, neue Kirchenagende für die Herzogthümer, war von dem Generalsuperintendenten Adler in Schleswig entworfen, von dem Holsteinischen Ge- neralsuperintendenten Callisen geprüft und hatte im Jahre 4796 die Allerhöchste Genehmigung erhalten. Bei Einfüh- rung derselben verfuhr die Regierung behutsam und milde, sie gebot nicht die Annahme der neuen Agende, sondern empfahl den Predigern die Einführung derselben ohne Auf- sehen, ohne öffentliche Anpreisung von der Kanzel, auch wenn es nicht auf einmal geschehen könne, nach und nach zu bewerkstelligen; dabei blieb es den einzelnen Mitgliedern der Gemeinden größtentheils überlassen, sich dieser Agende oder des älteren Rituats bei Taufen, Copulationen tc. zu bedienen. Dennoch fehlte es dabei nicht an Unzufriedenheit, die sich durch mehrere Schriften darüber, (unter denen vors züglich das, noch neuerdings in Anrege gekommene, Schrei- ben eines Holsteinischen Kirchspielvogts genannt zu werden verdient) und, theils öffentlich aufgeregt, theils heim- lich angehetzt, hin und wieder durch ärgerliche Auftritte ver- offenbarte. Als diese fortdauerten und die neue Agende als ein neuer Glaube versschrieen ward, der den Umsturz des al- ten rechtgläubigen Christenthums beabsichtige, da erklärte ein, im Anfange des Jahres 1798 erlassenes Patent, daß es kei- nesweges die Königliche Absicht sey, zuzugeben, daß eine andere Religionslehre ausgebreitet werde, als das aus den biblischen Schriften geschöpfte wahre Christenthum, auch daß den Gewissen der Unterthanen kein Zwang auferlegt werden sollte. Es ward nun den Gemeinden anheim gestellt, durch Stimmenmehrheit der Hausväter zu entscheiden, ob sie sich der neuen Agende bedienen oder die Beibehaltung der älte- ren vorziehen wollten; bei Verschiedenheit der Meinungen