R 366 H schwer auf den Ländern lasten, solche? sind sie nicht der Men- schen Werk ? nicht Früchte, welche sie selbst ausgesäet haben? Denn wenn wir auch den neulichst vergangenen Zeiten jeden Ruhm schenken wollen, der ihnen mit Recht zukommt : können wir wol leugnen, daß es eine Zeit war, worin Hochmuth und Zügellosigkeit, worin Vergessenheit des Heiligsten und Trotz dawider furchtbar überhand nahmen ? Nicht mehr wollten die Menschen im ruhigen Fortschreiten das Gute genießen, und das Bessere vorbereiten; sie wollten Alles umschaffen, und ohne Grundsätze, welche sie leiten konnten, ohne Weis- heit, um zu wählen. Nicht frei, sondern gesetzlos; nicht mu- thig, fondern frech erhob die Menge sich mit Gedanke, Wort und Werk gegen jede bestehende Ordnung, wollte umstürzen, und verstand nicht zu bauen, wollte alle Bande lösen, als wären sie Ketten. Die Jugend spottete des Ansehens der Alten; die Untergebenen des ihrer Vorgesetzten; übereilte Thorheit nahm der reifen Erfahrung, der rechtschaffenen Ar- beitsamkeit Platz ein, und das ganze Zeitalter schien fast zu meinen, daß alle Geschlechter zuvor in Blindheit gewandelt hätten, bis es am Ende das volle Licht sah, daß Alles, was die Verständigsten zuvor erdacht, die Tüchtigsten ausgeführt hatten, daß Alles, was durch vieler Jahrhunderte Erfahrung befestiget, vervollkommnet, erprobt war, nichts wäre gegen die neue Einrichtung der Dinge, die der Augenblick erfand, die sogleich fertig dastand ~ ein kuftig Gebäude auf wei- chendem Sande. Da verschwand die Furcht des HErrn aus dem Herzen und dem Leben der Menschen, und die Gebote, die sie von ihren Vätern gehört hatten, und alle die Sitten und Rechte, womit Gott von uralten Zeiten her die Men- schen zur Ordnung und zum Heile lenkte; da verschwand Jesu Christi Evangelium ~ es war zuvor. in die Welt hin-