r 3 L wir, daß Leute Grundstücke durch Kauf und Erbschaft er- werben und daneben eine bedeutende Schuld übernehmen, wofür sie neue Obligationen ausstellen, oder bereits früher ausgestellte agnosciren, ohne daß es uns einfiele, sie deshalb für Leute in schlechten Umständen zu halten. Wir sehen, wie Leute ihre Umstände verbessern, nichts desto weniger aber ihre Hypothekenschulden beybehalten, ja wir sehen so- gar Leute, zur Ausbreitung ihres Gewerbes und zur Ver- mehrung ihres Vermögens, und zwar mit Erfolg, Geld auf- nehmen und dafür Obligationen ausstellen. Ein blühendes Gewerbe muß als solches ein darin angelegtes Capital viel höher als mit 4 und 5 pCt. verzinsen, wofür gegen sichere Hypothek doch noch Geld zu haben ist, deshalb wird der Kaufmann, der Fabrikant und der Handwerker, der sein Geschäft mit Glück und Erfolg treibt, auch gerne seine Grundstücke verpfänden um ein größeres Capital in seinem Gewerbe anlegen zu können. Die Contrahirung von Schul- den gegen hypothekarische Verschreidungen ist also kein un- krügliches Zeichen schlechter , preshafter Vermögensumstände. Aber angenommen, daß dem so sey, so würde es sich doch noch fragen, ist der Staat, die Finanzverwaltung, verpflich- ket, oder auch nur befugt, hierauf bey Vertheilung der Ab.. gaben Rücksicht zu nehmen? Ohne mich zu bedenken ver- teine ich diese Frage. Die Finanzverwaltung muß nur Ge- rechtigkeit, nicht Mitleid und Nachsicht üben. Die Regeln eines vernünftigen Haushalts können es hier zwar erhei- schen, rechtmäßige Forderungen in einzelnen Fällen aufzuge- ben, um dadurch größern Verlust von einer andern Seite zu vermeiden, aber auch nur diese, nicht aber ein bequemes Mitleid, welches, ohne eigene Opfer, mit den verwalteten Mitteln anderer, zu helfen so geneigt ist, dürfen Remissio-