67 leben) tätig zu sein, dann im Winter das Studium in Kiel fortzu setzen und es im Februar 1850 mit dem Staatsexamen abzuschließen. Bald darauf als Assistent der medizinischen Klinik eingetreten, zog er im Juli wiederum ins Feld und war in den Lazaretten von Glückstadt und Schleswig, nach vorübergehender Gefangenschaft auch in Rendsburg tätig. Im Dezember 1850 promovierte Bocken dahl mit einer Dissertation über die Schußwunden des Unterkiefers. Für manches Anderen Ausbildung möchte solche vielfache Unter brechung des Studiums vielleicht verhängnisvoll gewesen sein und dauernde Lücken hinterlassen haben, gereifteren und ernsteren Naturen diente der Anblick der Kriegsnot in den Lazaretten viel mehr zum Sporn und zur lebendigen Lehre, durch den Hinweis auf die Bedeutung gründlichen Wissens für den Arzt. Von 1851 ab übte Bockendahl in der Stadt Schleswig ärztliche Praxis, die, anfänglich durch Ausweisung aus politischen Gründen zeitweilig unterbrochen, volle zehn Jahre fortgeführt wurde. In dieser Zeit bestand er noch das Physikatsexamen (1852) und gründete 1854 durch Verehelichung mit Fräulein Marie Rüppell seinen häuslichen Herd. Auf die Dauer genügte ihm die vor wiegend ländliche Praxis nicht. Das Bedürfnis nach eigener An- regung und nach deutscher Erziehung der Kinder, die in. dem danisierten Schleswig nicht möglich war, veranlaßten ihn 1861 nach Kiel überzusiedeln. Hier begann er wieder ärztliche Praxis. Zugleich habilitierte er sich an der Universität (das Doktordiplom genügte damals dazu) und las, in entstandene Lücken einspringend, anfänglich pathologische, dann chirurgische Anatomie, bald auch gerichtliche Medizin. Nun kamen die politischen Wandlungen der 60er Jahre; nach Beseitigung der Dänenherrschaft durch Preußen und Österreich übernahm 1865 der österreichische Feldmarschalleutnant Gablenz das Regiment in Holstein. Dieser ernannte im September 1865 Bockendahl zum Medizinalinspektor für Holstein. Seine Befähigung für eine solche Verwaltungstätigkeit hatte Bockendahl u. a. kmz vorher durch eine Untersuchung kund getan, welche er im Aufträge der Regierung zusammen mit dem Schleswiger IrrenanstaltsdireKtor ^ Büppell über die Verwaltung des dänischen Medizinalinspektors Bchleißner in Schleswig anzustellen gehabt hatte. Als 1866 Preußen in der Person des Oberpräsidenten V- Scheel-Plessen die Regierung antrat, wurde Bockendahl als Preußischer Beamter übernommen und bald nachher als außeroident- R*