11 Allo Voraussetzungen, wie wir sie uns schon früher theoretisch construirt und sie zu einer schlagenden Beweisführung als’ unbedingt erforderlich gedacht hatten, sehen wie hier erfüllt. Die Natur war unserer Ohnmacht, durch das Experiment diese Voraussetzungen zu gewinnen, in wirklich meisterhafter Weise entgegengekommen. Ich will mit wenig Worten versuchen, das Pacit aus der gemachten Beobachtung zu ziehen und erlaube mir dabei auch auf den besonders glücklichen Umstand aufmerksam zu machen, dass wir es hier mit einem durchaus gebildeten und intelligenten Patienten zu thun und aus diesem Grunde nicht den geringsten Anlass hatten, die Richtigkeit und Genauigkeit seiner Angaben irgend wie in Zweifel zu ziehen. Eine Zusammenstellung der jetzt noch geltenden Entstehungsursachen der Myopie, oder allgemeiner und richtiger gesagt, für diejenigen Veränderungen im hinteren Abschnitt des Auges, für welche allgemein die Bezeichnung staphyloma posticum acceptirt ist, ergiebt zwei wesentlich verschiedene Ileihen derselben. Die eine enthält als bedingende und am Auge selbst vorhandene Momente die Accommo dation und die Converges, soweit dieselben relativ oder absolut zu stark in Action gesetzt resp. sobald den bei diesen Functionen betheiligten Organen die im Aerhältniss zu der verlangten Arbeitsleistung nothwendige Erholung dauernd verkürzt oder gänzlich versagt wird. Die andere Reihe enthält alles Uebrige, was sich- unter der Bezeichnung - äussere Schädlichkeiten und Gelegenheitsursachen - zusammfassen lässt; als Schwäche der Constitution, fehlerhafte Kopfhaltung, anhaltendes Arbeiten bei schlechter Beleuchtung und dergl. Die beiden Augen unseres Patienten nun, ursprünglich, wie sowohl aus seinen Angaben, ebenso aus der Untersuchung überzeugend erhellt, von emmetropischem Bau, verhielten sich vom ersten Lebenstage an den oben namentlich gemachten Schädlichkeiten gegenüber wesentlich ver schieden Die wohl unter der Geburt durch Trauma erworbene, totale Paralyse des nerv, oculomo- torius sin hatte da sie den rectus internus und den musculus ciliaris zugleich traf, das linke Auge für immer dem schädlichen Einflüsse der beiden an erster Stelle genannten Factoren entzogen. Ein Gleiches geschah durch die für diesen Zweck genügende Verdeckung des linken bulbus mit dem gelähmten oberen Auglid der Mehrzahl der genannten äusseren Schädlichkeiten gegenüber. Dieses Auge nun behielt den emmetropischen Bau, den es ursprünglich besessen (der geringe As. h. lässt sich wohl ungezwungen auf die forcirte Auswärtsstellung, in welcher dasselbe, fixirt war, zurückführen) - das zweite Auge wurde myopisch - wodurch V Mit der Lähmung und consecutiven Atrophie des linken rectus internus, mit der abnormen Stellung, in welcher das 1. A. unverrückbar fixirt war, fielen für unsern Patienten alle die Bedin gungen aus, welche .die gleichmässige Richtung beider Sehlinien auf ein gemeinsames Fixirobject ermöglichen. 1 Das rechte Auge diente von jeher allein der Wahrnehmung und folgte stets nach allen Richtnngen gleich frei den verschiedenen Impulsen, welche es zum Zweck derselben aus seiner Ruhelage trieben. Das eine Moment also, die Convergenz, fiel hier vollkommen fort, die übrigen Ursachen blieben bestehen und konnten um so eher zur Geltung kommen, als mit dem Verluste des Ver mögens, zu convergiren auch jener nicht unwichtige Regulator fehlte, der in Form des unbehaglichen r