7 Aus diesem Grunde und weil ich auch die eben erwähnte Raynaud’sehe Theorie Üir unrichtig halte, schliesse ich mich seiner Eintheilung nicht vollständig an, sondern scheide au s der dritten Klasse die multipele Abscessbildung aus und lasse nur die diffuse Infiltra tion gelten. Da meine Fälle, wie sich zeigen wird, zu dieser beschränkten dritten Klasse ge hören, so werde ich auch nur diejenigen Fälle aus der Literatur zusammenstellen, welche eben falls dieser Kategorie zuzurechnen sind. Die übrigen Formen werden nur beiläufig Berücksich tigung finden. Literaturangaben finden sich bei B amb erger Q, Ackermann-) und in Schmidt’s Jahrbüchern 3 ). Vereinigt man diese drei Verzeichnisse, so dürfte dadurch die gesammte v orhandene Literatur ziemlich vollständig repräsentiert sein. Ich habe mich nach Kräften be müht, mir alle aufgezählten Werke und Aufsätze zugänglich zu machen. . Zum bei weitem grössten Theil ist mir dies gelungen, wenn ich mich auch einzeln mit Referaten in unseren grossen Sammelwerken begnügen musste. Da zunächst nur eine Casuistik geliefert werden soll, s o bleiben die unsere Krankheit im Allgemeinen schildernden Handbücher vorläufig unerwähnt. Die ältesten Beobachter von Eiteransammlungen in den Magenwänden: Sand, Lieu- tand, Cullen, P. Frank, Jos. Franck, Monro u. a. kann ich unberücksichtigt lassen, denn einerseits habe ich in vollem Maasse eingesehen, wie wahr Bamberger von ihnen sagt: ,,Es ist bei der vagen pathologisch-anatomischen Ausdrucksweise der älteren Schriftsteller nicht immer ganz leicht, die beschriebenen Zustände unserer Anschauungsweise zu accommodieren“, —»und andrerseits sieht das, was sie beschreiben, eher einem Abscesse, als einer Infiltration ähnlich, einzeln wird sogar das Wort Abscess gebraucht. So würde aus dem Jahre 1836 der erste Fall zu verzeichnen sein. L (H eyfelder 4 ). Ein 28jähr. kräftiger gesunder Kutscher erkrankte von einer mehrtägigen Reise bei nasskaltem Wetter heimgekehrt, an heftigem Leibweh und wiederholtem Erbrechen. Nach 24 Stunden zeigte er Erscheinungen von Collaps, druckempfindlichen Leib, keinen Appetit und Brechreiz. Sine Blutentziehung schaffte Erleichterung, aber nach weiteren 24 Stunden begann der Kranke plötzlich irre zu reden und starb bald darauf, 49 Stunden nach dem Eintritt der Erkrankung. Section; (34 h. p. m.) Die Sinus, sowie Leber, Milz, Nieren sehr blutreich. Magen und sämmtliche Gedärme von Ruft ausgedehnt. Die Magenwände -besonders im Blindsacke und am Pylorus wenigstens um das sechs fache verdickt. Die Verdickung beruht darauf, dass sich zwischen der mürben und stellenweise ekchymosierten Schleimhaut und der getrübten Serosa eine mehrere Linien dicke Schicht befindet, weiche das aufgelockerte und mit w-eiss- gelbem Eiter durchdrungene submucöse Zellgewebe zu sein scheint. Lie Muscularis nicht aufzufinden. Die Schleimhaut des Duodenum gegen den Magen hin ebenfalls ekchy- üiosiert und mürbe. II. (Herzog 5 ). Ein 60jähr. Arbeitsmann, abgemagert und von icterischem Aussehen, litt an Schmerzen in der Magengegend, die hart und angeschwollen, sowie an hartnäckiger Stuhlverstopfung, . häufigem ftuctus und Auswurf von bedeutenden galligen Massen. Dabei bestand Fieber. Nach 14 Tagen Tod. Section: In der Bauchhöhle ein Erguss von einigen Quart dünnen flockigen Eiters. Peri- fonaealüberzug der Leber, des Magens und der Milz mit einer „faserstoffigen“ grünlichen Ablagerung bedeckt, welche sich leicht ablössen lässt. Leber blutreich, Milz breiig. Der Magen klein, in seinen ') 1. c. 2 ) 1. c. 3 ) 1862. Bd. 113. p. 4L J ) Dr. Heyfelder. Sanitätsbericht aus dem Fürstenth. Hohenz.-Sigmar, im J. 1836. Bef. in Schmidts Jahrbüchern. 1837. Bd. 16. p. 92. 5 ) Dr. Herzog. Sectionsergebnisse in Caspars Wochenschr. 1839. p. 813.