2 9 In welcher Weise jedoch nun dies gestörte laterale Gleichgewicht der Muskeln die Progressivität der M. hervorruft; wie die Einwirkung dieses Zustandes auf den hinteren Augen- Pol im Speziellen sich gestaltet — diese Fragen werden offen gelassen. Seite 234 heisst es: „Ob es übrigens der die Adduktions-Anstrengungen begleitende Muskeldruck an sich ls b der die Ectasia posterior fördert, oder ob es mehr die Congestiv-Zustände sind, welche sich an die unzweckmässige und unbehagliche Funktionirung knüpfen, das lasse ich dahingestellt allein jedenfalls liegen hier alle Momente vor, welche die Ursachen der M. Fortschritte aktiviren.“ Wie Donders spricht Graef'e nur allgemein von dem Muskeldrucke und von Congestiv- ^uständen. Die Akkommodation berücksichtigt er fast gar nicht. Zwar spricht er über die durch erhöhte Convergenz-Anstrengung hervorgebrachte Verlagerung der relativen Akkommo dationsbreiten, und das dadurch bei binokularen Sehen hervorgebrachte Näherrücken des Fern- Punktes, also einer scheinbar und vorübergehend erhöhten M. — doch von einer direkten Einwirkung dieses Momentes auf die Progressivität der M. sagt er nichts. Selbst bei den Worten:*) „Halten wir also in der Hauptsache fest: a) dass die Abhängigkeit des dynamischen Auswärtsschielens von progressiver M. nur eine bedingte ist; b) dass die Bedingungen der Abhängigkeit durch Eingriffe in die Muskulatur zu modificiren sind; c) dass die Beseitigung desshalb wesentlich zweckmässig ist, weil die Gleichgewichtsstörung, sei sie inducirt oder für S1 ch bestehend, jedenfalls wieder eine schädliche Rückwirkung auf die M„ ausübt“ — denkt Graefe nur an den Muskeldruck und die Congestiv-Zustände, nicht an die etwa mit der erhöhten Convergenz-Anstrengung resultirenden Akkommodations-Anspannung. Diese Theorie wurde von Mannhardt adoptirt und weiter ausgearbeitet. Mannhardt sucht wie Graef'e die häufigste Ursache der progressiven M. in dem ge störten lateralen Gleichgewichte des internus und des externus, in den ungünstigen Bedingungen für die Convergenz, und das Neue, das er bringt, ist eine genauere Zergliederung und Formu- Hrung dieser ungünstigen Bedingungen. Die Akkommodation tritt dennoch bei ihm etwas mehr in den Vordergrund, wenn er sie auch lediglich als Folgezustand des dynamischen Schielens betrachtet wissen will, und ihr Jede wesentliche Bedeutung als selbständiges Moment abspricht. Er**) sagt über die Entstehung der Myopie: „Man fand aber ausserdem, dass diese Krankheit bedingt ist durch akkommodative Anstrengungen, dass sie sich nur bei Solchen entwickele, die ihre Augen andauernd auf kurze Distanz, also mit Arbeiten beschäftigen, die eine Anstrengung der Akkommodation und Con vergenz erfordern, besonders wo dies in unzweckmässiger Weise geschieht.“ Und S. 77: „— es wird eine Art von Akkommodations-Krampi eintreten, welche eine scheinbare darstellt.“ Hieraus könnte man schliessen, dass er die Akkommodation für einen Hauptfaktor der Progressiven M. halte. Dagegen verwahrt er sich später jedoch ausdrücklich. Seine Meinung ls U dass nur die Convergenz die Schuld trage, — „den congestiven Zustand, welcher bei nnhaltender Beschäftigung mit akkommodativer Arbeit oft rasch unter den bekannten Erschein ungen der Sclero-Chorioiditis post, zu Dehnung der inneren Membranen, atrophischen Vor gängen, Sclerektasien führt“ —- anzufachen. *) Graeffi 1. c. S. 236. **) Mannhardt. Muskuläre Astbemopie und Myopie. Arch. f. Ophth. Bd. XVII. 2. Abth.