12 war keine Spur einer Verletzung. Indessen wir brauchen dieses kaum sehr zu betonen, denn es handelt sich eben nur um einen Riss hart neben dem lig. teres, der wahr scheinlich nicht durch den zuletzt besprochenen Mechanismus zu Stande kommt, Nach allem diesem also ist zu vermuthen, dass eine (indirecte) Gewalt einge wirkt habe auf das lig. suspens. der Art, dass bei Anspannung des lig. teres gleich zeitig die obere Insertion des lig. suspens. am Diaphragma hinaufgedrängt worden ist. Experimente an Leichen führten zu folgenden Resultaten: Das lig. teres liess sich mit geringer Mühe gerade ausspannen, dabei gab das lig. suspens leicht dem Zuge nach und zerriss auch dann nicht, wenn die obere Insertion des letzteren durch einen Druck von unten her in die Höhe gehoben war. Auf diese Weise liess sich also schlechterdings keine Zerreissung zu Stande bringen. Sehr leicht aber gelang es, einen ganz ähnlich wie im vorliegenden Falle hart neben dem lig. teres verlaufenden Riss zu erzeugen, wenn bei Fixirung der oberen Insertion das lig. teres selbst in seiner Mitte erfasst und herabgezogen wurde. Verhältnissmässig am schwersten gelang diess noch bei einem einjährigen Kinde, während sich das Gewebe äusserst mürbe zeigte bei einer 71jährigen Frau und einem 39jährigen Phthisiker, was sich leicht erklärt aus der atrophischen Beschaffenheit des Bauchfells sowohl bei einem altersschwachen, wie bei einem durch Krankheit herabgekommenen Individuum. An einer tiefer gelegenen Stelle des Bauches also muss die Gewalt eingewirkt haben. Nun giebt uns die Verwachsung von Darmschlingen mit der Bauchwand unter halb des Nabels für diese Frage einen willkommenen Fingerzeig. Ein Trauma, an dieser Stelle einwirkend, kann voraussichtlich schon von bedeutender Stärke sein, ohne etwas anderes zur unmittelbaren Folge zu haben, als eine umschriebene Perito nitis. Diese führt ganz gewöhnlich zu Verwachsungen und eine solche finden wir hier. Dass nun dieses Trauma, welches wir einstweilen als geschehen anzunehrnen uns erlauben, im vorliegenden Falle auch eine Ruptur im lig. suspens. bewirkt habe, ist nach unserer obigen theoretischen Betrachtung und den Resultaten der Experimente nicht unwahrscheinlich. Sehen wir noch einmal die mechanischen Bedingungen an. Die Zerrung am lig, teres ergiebt sich unschwer aus der anatomischen Anordnung der 1 heile und ein gleichzeitiges Hinaufgedrängtwerden der Leber und somit der oberen Insertion des lig. susp. am Diaphragma ist durchaus nicht zu bezweifeln, da die äusserst elastischen lufthaltigen Darmschlingen ^ den an umschriebener Stelle empfangenen Druck nach allen Seiten gleichmässig zu übertragen vermögen auf die ganze Wandung des Bauchraumes, also auch auf die untere Lederfläche. Dabei kann aber doch das lig. teres in seiner Eigenschaft als dünner Strang von oben her zwischen die von unten andrängenden Darmschlingen herabsteigen und so aus der fossa pro vena umbilicali heraus und von der Bauchwand abgezerrt werden, dann das an dem dünnen Strange von Seiten der Darmschlingen wirkende Kraftmoment muss unver gleichlich viel geringer sein, als das gegen die breite untere Leberfläche wirkende.