17 Die kenningar sind einfache oder mehrfache, je nachdem sie nur ein Wort oder auch die weiteren, zur Umschreibung dieses einen Wortes dienenden Wörter um schreiben. Sie bestehen hiernach aus zwei oder mehreren Substantiven, von denen das be stimmende in der Regel als ein vom bestimmten abhängiger Genitivus, nicht selten auch in der Stammform mit ihm zusammengesetzt erscheint: (r«v) hrafna vin oder (ro) hrafn-vin, (rou) sverös leikr oder (o) sverö-leikr, und oft ist es nur das Metrum, das über den Gebrauch der genitivischen oder componirten Form entscheidet. So kommt es aber auch, dass bei fortgesetzter kenning d. h: bei Umschreibung des bestimmenden Wortes das neu hinzutretende Substantiv gleichfalls in beiderlei Form erscheinen kann, entweder in der Stammform, z. B: hraun-atla sprakki 5a (oder auch: flein-galdr-völr 7 4 ), oder im Genetivus, der sowohl von einem Genitivus s. B: Fjölnis elda geymir 8 a , als auch von einer Stammform, als dem ersten Bestandtheile eines Compositum (nicht vom ganzen Compositum) abhängig sein kann, z. ß: (ro>v) vika vagn-skreytir 4a für (roü) vfka-vagns skreytir; ebenso: hausa hasl-rekkar lb, äsa öl- beinir 16b, angrs eld-meiöir 15a darra hljöm-boöi (oder -viör) 19a und 20b u . v . a . NB. Abhängigkeit des Genitivus vom ganzen Compositum, nicht blos von dessen erstem Theile z. B. in Brages kenning (SE I, 426): J>ruöar-|)j6fs ilja-blaö i. e: Thrudse raptoris (i. e. Hrungneris) plantarum tabula (i. e: vola): Rungners Sohle d. i: Schild, Es leuchtet ein, dass durch immer fortgesetzte Umschreibung des bestimmenden Substantivs die Ausdehnung der kenning an sich grenzenlos ist; mehr als fünftheilige kenning gilt geschmacklos und wird von Snorre im Hättat. § 84 (SE I 612 5 vgl II, 8 9 ) verboten, Islendingadräpa enthält neben vielen einfachen kenningar auch zwei- und mehrtheilige (tvfkennt und rekit SE I, 600—602); nur einmal (str, I4 b ) eine vier theilige ; sär-jökuls geima prym-svellir. Gegenüber dieser äusseren Erweiterung der kenning steht eine innere Ver vielfältigung. Von den vielen Arten, in denen dieselbe vor sich gehen kann, sei hier nur beispielsweise der Vervielfältigung durch Synonyma gedacht. Sie zeigt sich vor Allem bei den Umschreibungen von ‘Mann’, ‘Kampf, ‘Waffen’, ‘Gold’, die wie ander wärts so auch in Islendingadräpa am häufigsten Vorkommen, So ist der bestimmte Theil in der kenning von ‘Mann’ ein dreifacher; ausser einer Anzahl allgemeiner Ausdrücke (meist verbaler Substantive auf — i und — ir und Participp, prass.) einmal: der Name von Baum (SE I, 334 5 — 10 vgl 412 19 ), sodann: der eines Äsen (SE I, 334 10 - 12 ); der Synonyma von jenem aber sind hier: acht (runnr, hlynr, askr, meiör, viör, fmllr, älmr, lundr), von diesem: sechs (NjörÖr, Freyr, Tyrr, Joröttr, Jmndr, Mööi); den bestimmenden Theil, sei es in umschriebner oder nicht-umschriebner Form, bilden synonyme Ausdrücke für Gold (sechs), Kampf (vierzehn), Waffe (sechzehn), Schiff (sechs). So ferner in ‘Kampf zeigt der bestimmte Theil acht Synonyma für: Unwetter, 3