bewirken. Dies wiederholte sich, dann floss Speisebrei aus dem Maule des Thieres, wobei die willkürliche Muskulatur des Maules in Thätigkeit gerieth. Das Quecksilber pendelte in diesem Augenblick hin und her. Nach dem Ausfliessen der Massen wurde das Thier wieder ruhiger. Nach einigen Minuten aber wiederholte sich der Anfall, stets angekündigt durch vorherige starke Inspirationen. Diese wuchsen ganz allmählig, bis schliesslich die Würgbewegungen eintraten. Dann trat wieder Ruhe ein. Ich goss dem Thiere etwas Wasser in’s Maul und spritzte noch ein mal 0,0025 Apomorphin unter die Haut des linken Hinterbeins. Nach einigen Minuten dasselbe Schauspiel im Manometer bis zum Ausfliessen von verdünntem Speisebrei aus dem Maule des Thieres. Stets fielen die Würgbewegungen mit den starken inspiratorischen Schwankungen des Manometers zusammen. Ich habe diesen Versuch noch an zwei ferneren Tagen mit gleichen Resultaten ausgeführt, auch hatten Herr Professor Bartels und Herr Professor Heller die Güte sich durch eigene Anschauung davon zu überzeugen. Erinnern wir daran, dass auch Rühle schon an dem bei längs- und quergeöffneter Bauchhöhle in den Magen eingebundenen Manometer vor Eintritt des Brechactes Schwankungen warnahm, die ein Sinken des Drucks im Magen mit der Inspiration und ein Steigen mit der Exspiration anzeigten, und dass mit den Brechanstrengungen plötzliche bedeutende Druckabnahmen beobachtet wurden, die mit dem Nachlass der Bewegungen sich sofort wieder ausglichen! Es ist hierdurch bewiesen, nicht nur, dass im Augenblick einer eintretenden Würgbewegung eine starke Inspiration ausgeführt wird, wie aus unserem Versuche hervorgeht, sondern auch, dass eine solche aspiratorisch auf den Mageninhalt zu wirken vermag. Im Brustraum wird ein vielleicht ziemlich bedeutender negativer Druck erzeugt, im Magen herrscht ein höherer Druck, schon wenn bei zerschnittenen Bauchdecken nur die Elasticität seiner Wände auf den Inhalt drücken kann, und weit mehr noch, wenn Zwerchfell und Bauchmuskeln ihn von allen Seiten zusammenpressen. Die Folge der entstehenden Druckdifferenz ist, dass eine Ausgleichung angestrebt wird, und mit Ueberwindung des Cardiaverschlusses der Speisebrei in den Brusttheil des Oesophagus rapide aufsteigt. Die Thatsache, dass Rühle, wenn er bei eröffneter Bauchhöhle den Magen umfasste und durch Drücken den Cardiaverschluss zu überwinden suchte, dazu erst einen Druck von 1—2 Zoll Quecksilber im Magen erzeugen musste, während der normale Druck im Magen bei geschlossener Bauchwand beim Hunde, von ihm zu nur 2—3 Linien Quecksilber gefunden wurde, zusammengehalten mit der anderen Thatsache, dass bei dem der Wirkung des Zwerchfells und der Bauchmuskeln entzogenen Magen im Brechanfall der Cardiawiderstand überwunden wurde, lässt einen Schluss darauf machen, wie bedeutend der Druck im Thorax während des Brechanfalls sinken muss, wenn die Elasticität der Magenwand in dem letzteren Fall schon den Cardiaverschluss überwindet. Dies führte mich dazu das Verhalten der Glottis während des Brechanfalls zu untersuchen. Durch ein anderes Interesse geleitet hat bereits Longet Versuche darüber an Hunden angestellt.*) Er fand, dass wie beim Schlingact so auch beim Brechact ein Verschluss des Kehlkopfes bewerk stelligt wird, und das gerade zu der Zeit, wo das Erbrochene aus dem Schlund in die Mund höhle passirt, so dass dadurch der Eintritt jener Massen in die Luftwege abgewehrt wird. Mir kam es natürlich hauptsächlich darauf an zu erfahren, ob der Glottisverschluss gleichzeitig mit den übrigen für das Erbrechen wirksamen Muskelcontractionen ist, was ich aus den Versuchen Longet’s noch nicht ohne Weiteres schliessen konnte. Es musste festgestellt werden, ob dieser Act ein integrirender Bestandtheil des Mechanismus beim Brcchact sei, oder ob er nur beiläufig, vielleicht in einem kleinen Zeitintervall den austreibenden Contractionen nachfolgend, stattfande. ') Man vergleiche Longet’s Arbeit: »Rechcrclies experimentales sur Ies fonctions de lepiglotte et sur les agents d’occlusion de la glotte dans la deglutition, le vomissement et la rumination« in den Archives gendrales de Mddecine. III. S6rie, T. XII. Paris 1841.