finden sich schon in Strieker’s Handbuch der Gewebelehre sehr werthvolle Beschreibungen von E. Klein, und neuerdings hat ein Franzose Gillette denselben Gegenstand wieder einem sehr sorgfältigen Studium unterworfen.*) Letzterer theilt den Oesophagus des Menschen nach seiner Structur in drei Dritttheile. Im oberen Drittel finden sich am Halse nur quergestreifte Fasern, mit dem Eintritt in die Brusthöhle erlangt die glatte Muskulatur ein bedeutendes Uebergewicht, es finden sich aber animalische Fasern eingestreut, im Durchschnitt bis 5-6 Cm. in den Brust raum herab. Im mittleren Theil des Oesophagus, der bis zum Hiatus oesophageus des Zwerch fells zu rechnen ist, finden sich nur glatte Fasern vor; und in dem untersten Abschnitt machen sie ebenfalls die Hauptmasse aus, es treten nur sehr sparsam quergestreifte Fasern, weniger noch als im unteren Theil des oberen Drittels, hinzu, die aus den Pfeilern des Zwerchfells als Musculi phreno-oesophagei abbiegen und in der Längsrichtung der Speiseröhre verlaufend eine Strecke weit abwärts zu verfolgen sind. Beim Hunde dagegen ist die ganze Muscularis der Speiseröhre aus quergestreiften Fasern zusammengesetzt; sie liegen in drei dicken Lagen sämmtlich ringför mig oder vielmehr elliptisch, d. h. nach unten geneigt verlaufend und kreuzen sich spitzwinklig in verschiedenen Richtungen. An der Cardia hören sie plötzlich auf, und glatte Muskulatur tritt an die Stelle. Diese Verschiedenheit im anatomischen Bau des Organs lässt allen am Hunde- oesophagus gemachten Beobachtungen von vornherein nur eine zweifelhafte Uebertragbarkeit auf den Menschen. Auf die menschliche Speiseröhre angewandt, steht der obigen Theorie nun vor Allem der Umstand entgegen, dass jener für die supponirten Eigenbewegungen in ihren unteren Theilen nur glatte Muskulatur zu Gebote steht. Für den Hundemagen hat man nachgewiesen, dass seine glatte Muskulatur für die Hinaufbeförderung der Ingesta wirkungslos ist, und bei der Gleichheit der anatomischen Verhältnisse kann man dasselbe für den menschlichen Magen annehmen. Dessen glatte Muskulatur steht aber in ununterbrochenem Zusammenhänge mit der der Speiseröhre, und dieser soll man ganz im Gegentheil mit Traube und Rühle eine stark active Rolle zuschreiben. Inconsequent wäre sich also die Natur dabei jedenfalls. Aber entspricht es denn überhaupt dem Character der glatten Muskulatur solche ruckweise Contractionen auszuführen, mit denen die übri gen Muskelacte beim Brechen verlaufen, und wie sie auch die Speiseröhre ausführen müsste? Sehen wir uns nach Analogien um; wir finden nirgends, dass andere Organe, die mit gleicher Muskulatur ausgestattet sind, so plötzlich in Contraction geriethen und wieder erschlafften. Selbst die sogenannten Krampfwehen des Uterus finden doch nur so statt, dass das Organ sich langsam zusammenzieht und dann in starrer Contraction ausharrt. Fraglich wäre es ferner noch, und dies lässt sich auch vom Oesophagus des Hundes sagen, ob eine Contraction der Längsfasern an der Speiseröhre den Verschluss der Cardia aufheben oder gar das Rohr dilatiren würde, wie es doch sein müsste, wenn man die starken Druckabnahmen, die Rühle im blosgelegten Magen war nahm, darauf zurückführen wollte. Zur Erklärung aller der Erscheinungen, durch die Rühle und Traube sich zu ihrer Annahme zwingen lassen, würde es nun aber genügen, wenn im Moment des Anfalles eine starke Inspiration stattfände. Dann könnte auch bei längs- und quereröffneter Bauchhöhle noch die elastische Spannung der Magenwand hinreichen den Mageninhalt in die Brusthöhle, in der ein bedeutender negativer Druck erzeugt wird, hinaufzutreiben und dabei den Verschluss der Cardia zu überwinden; denn nur auf die Differenz der Spannungen, die in beiden Räumen herrschen, *) Description et Structure de la tunique musculaire de l'oesophage chez l’homrae et eher, les animaux. Journal de l’Anatomie et de la Physiologie Nr. 6. Paris 1872.