» 14 ■ IV. F a 11. Strictur mit Fistel, Veranlassung unbekannt; Urethrotomia externa. Ausgedehnte Ver eiterung und schwartige Verdickung des periurethralen Zellgewebes verhindert Einführung des Katheters, welche erst am 2. Tage gelingt. Wiederholung der Operation nach 4 Monaten wegen noch bestehender Fisteln. ‘ Nach 3 Wochen fast geheilt entlassen. V. 58 Jahr alt, Arbeiter aus Birkenmoor, will nie an Gonnorrhoe gelitten haben. Anfang Decbr. v. J. empfand er plötzlich heftige unbestimmte Schmerzen über der Symphyse. . Nach 8 Tagen trat Retentio urinae ein, und ein deshalb' zu Rath gezogener Arzt versuchte die Blase durch den Katheter zu entleeren, brachte aber keinen Urin, sondern nur etwas Blut zu Tage, so dass er wahrscheinlich nicht in die Blase gelangt ’ist, sondern sich einen falschen Weg gebahnt hat. Nachdem Bat. 2 Tage lang gar keinen Urin gelassen hatte, fing dieser von selbst an tropfenweise abzufliessen. Versuchte Pat. die Entleerung durch die Bauchpresse zu beschleunigen, so hörte sie ganz auf. Dieses Harnträufeln dauerte 7 Wochen, während welcher Zeit, weil Pat. noch immer über heftige Schmerzen über der Symphyse klagte, in dieser Gegend erst warme Kamillenumschläge, nachher Eis applicirt wurden. Jetzt fing Pat. auch an über Schmerzen in dem etwas geschwollenen Damm zu klagen. Unter Anwendung von Kataplasmen entwickelte sich die Geschwulst weiter und brach nach 4 Tagen auf unter reichlicher Eiterentleerung. Bald schloss sich diese Oefifnung aber wieder, und der Arzt machte eine Incision, welche nach 4 Wochen wegen abermaligen Verschlusses wiederholt werden musste. Jetzt erst konnte Pat. wie der ohne Beschwerden Harn lassen. Am 20. Juni bemerkte Pat., dass sich der Urin nicht ganz durch die Urethra entleerte, sondern dass ein grosser Iheil durch die Fistel zu läge trat. Während der ganzen Krankheit hatte Pat. grosse Stuhlbeschwerden, die zuerst nur in heftigen Schmerzen bei der Ausleerung bestanden, bald aber ihm die Defäcation ohne Anwendung von Abführmitteln oder Klystieren unmöglich machten. Im März bemerkte Pat. Schmerzen im rechten Samenstrang, die bald auf den Hoden' übergingen und von starker Schwellung begleitet waren; dasselbe wiederholte sich im Mai am linken Hoden. Status praesens. Am Damm, etwa 1 ctm. vor dem After, befinden sich 2 Fisteln, aus denen ziemlich viel Eiter sich entleert. Eine Sonde lässt sich durch dieselben sowohl nach der Blase als nach dem Orificium urethrae zu 3 ctm. weit vorschieben. Führt man einen Katheter ein, was ziemlich leicht und ohne Schmerzen gelingt, so kann man zwar nicht mit der Sonde bis an den Katheter gelangen, indess steht die Communication mif der Urethra fest, weil beim Uriniren ziemlich viel Harn durch die Fisteln sich ergiesst. Ferner bemerkt man in der rechten Hälfte des Penis an der Wurzel des Scrotum eine harte, bohnengrosse Geschwulst mit gerötheter Haut, die auf Druck nicht empfindlich ist. Der ganze vordere Theil des Dammes ist geschwollen, hart, infiltrirt, die Bedeckungen sind geröthet. Beide Hoden sind hühnereigross geschwollen, fühlen sich hart an, der rechte ist etwas schmerzhaft. Bei der Exploration durch das Rectum fühlt man die Prostata vergrössert. • Bei der am 1. VII vorgenommenen Untersuchung stellten sich der Einführung der ver schiedensten Instrumente Hindernisse in den Weg, deren Charakter nicht deutlich erkennbar war; anscheinend lag indess das Hinderniss in der Prostata. Es gelang schliesslich, einen feinen ' Thompson'schen Katheter in die Blase zu bringen, wonach zur Erweiterung der Dammfistel und Spaltung der Harnröhre, in welcher anscheinend ein bedeutender Defect bestand, geschritten wurde. Der untersuchende Finger constatirte eine ausgedehnte Vereiterung des periurethralen Zellgewebes. Die Blutung bei der Operation war sehr gering. Der Versuch hinterher ein In strument in die Blase zu bringen, schlug fehl, und es musste deshalb davon abgestanden werden, ln die Wunde wurde ein Bourdonnet gelegt und mittelst einer T Binde befestigt.