12 dem sogar zunehmen gesehen. Wir verweisen z. B. auf den von Erichsen veröf fentlichten 3. Fall, der auch noch dadurch ein besonderes Interesse bietet, dass der betreffende Patient, ohne Narkose und ohne den mindesten Schmerz zu fühlen, sich beide Beine amputiren Hess dicht unter dem Hüftgelenke, aus dem originellen Grunde, dadurch einer unnützen Last enthoben zu sein und in seinem kleinen Wagen mehr Platz zu gewinnen für Bücher u. dgl. Uebrigens bemerken wir, dass dieser Fall nicht den Titel einer reinen Rückenmarks-Erschütterung in unserm Sinne bean spruchen kann. Solange nun die Patienten noch Bewegungen machen können, zeigen sie eine eigenthümliche steife und unbiegsame Haltung. Stärkere Bewegun gen der Wirbelsäule sind ihnen schwierig und oft unmöglich. Der Gang ist fer ner höchst charakteristisch. Während sie oft im Bette die Extremitäten noch nach allen Richtungen kräftig bewegen können, fällt doch das Stehen und Gehen äusserst schwer. Sie stellen, um eine grössere Basis zu gewinnen, die Beine stets gespreizt; ferner werden die Füsse nur höchst schwankend und unsicher angesetzt, und taumeln die Patienten beim Gehen wie Betrunkene. Das Rückgrat wird dabei ängstlich steif gehalten, auch der Kopf; am schwersten ist für sie. das Umdrehen. Wollen sie dieses rasch besorgen, so empfinden sie oft plötzlichen Schmerz im Rücken. Geht der Erkrankungsprocess vom Rückenmark über auf Medulla oblongata und Gehirn, oder leiden diese Parthien des Centralnervensystems von Anfang an gleichzeitig mit dem Rückenmark in Folge der Erschütterung, so können Krankheits symptome im Gebiete der Psyche und der Sinnesorgane auftreten oder es tritt durch Störung der lebenswichtigen Centren für Circulation und Respiration der lethale Aus gang ein. Indess müssen wir uns, um das Gebiet der Commotio medullae spinalis nicht zu verlassen, damit begnügen, diese Symptome und Complicationen angedeu tet zu haben. Endlich wollen wir noch die eigenthümliche Verschlimmerung des all gemeinen Gesundheitszustandes erwähnen, die in der That auch etwas Cha rakteristisches für unser Krankheitsbild zu sein scheint. Die Patienten, obschon sie in der Regel gar nicht fiebern und ihre Verdauung etc. in Ordnung ist, gewinnen in kurzer Zeit ein verfallenes, greisenhaftes Aussehen. Durchschnittlich erfolgt der Tod durch Marasmus spätestens 3—4 Jahre nach dem Unfälle. Was den Ausgang in den einzelnen Fällen betrifft, so können wir, abgesehen von den Fällen, welche in ganz kurzer Zeit tödtlich verlaufen, welche übrigens auch wol selten reine Exem plare von Commotio medullae spinalis, sondern mehr weniger mit Shok, Commotio cerebri u. dgl. complicirt sein mögen, zur leichten Uebersicht 3 Formen reiner Rückenmarks-Erschütterung unterscheiden: 1) Ausgang in vollständige Wiederherstellung. Ein treffendes Bei spiel hierfür bietet der von uns unten veröffentlichte Fall No. 1. Es erfolgt dieser günstigste Ausgang meist im Verlaufe von wenig Wochen oder Monaten. Dass in