Commotio medullae spinalis. Seit einer Reihe von Jahren finden wir, besonders in den grossen Sammel werken der medicinischen Literatur, eine Menge der genauesten Beobachtungen verzeichnet über Erkrankungen des Rückenmarks. So zahlreich im Allgemeinen die in der Literatur zerstreuten Fälle von Rückenmarkskrankheiten sind, so o-erino- ist die Zahl der Beobachtungen über die Commotio medullae spinalis, die Er schütterung des Rückenmarkes. Freilich sind schon in der zweiten Hälfte des vorigen und im Anfänge dieses Jahrhunderts von Autoritätsn ersten Ranges, wie Cooper, Boyer, und von Specialisten im Fache der Rückenmarksleiden, wie Olli- vier, Abercrombie, Bell u. A. Fälle von Rückenmarks-Erschütterung genauer be obachtet und beschrieben worden; auch hat gerade in den letzten Jahren Erichsen in England in seiner werthvollen Schrift „Ueber die Verletzungen der centralen •'heile des Nervensystems“ die Aufmerksamkeit der ärztlichen Welt auf höchst in teressante Fälle dieser Art geleitet. Indess ist die Zahl der Beobachtungen, be sonders auch in unserer deutschen Literatur, im Ganzen doch wol als eine so ge ringe zu bezeichnen, dass es bei der immer grösseren Bedeutung, welche die ge nannte Krankheit in unserer industriellen Zeit für Arzt und Patienten gewonnen hat, gerechtfertigt erscheint, weitere Beiträge zu der so sehr interessanten Casuistik über Rückenmarks-Erschütterung zu liefern. Von diesem Gesichtspuncte hält Verfasser dieses es für der Mühe lohnend, auf Grund vorliegender Literatur die Commotio medullae spinalis in ihren Haupt zügen kurz zu schildern und im Anschlüsse hieran einige mehr weniger typische Fälle zu veröffentlichen, welche zum Theil auf unserer Kieler Universitäts-Klinik behandelt wurden.