53 zu lösen, indem sie dem Obersten gegenüber die kalt Zurück weisende spielen soll. Emilie wie Florival versprechen ihr Bestes leisten zu wollen. — Der Diener meldet Oberst Tamper; noch einmal feuert Bell Emilie an, ihre Rolle unbeirrt durchzuführen. Szene 3. Tamper ist bei seinem Eintritt in Emiliens Haus etwas ungehalten darüber, daß der Diener ihn nicht gleich hat vorlassen wollen. Höchst verdutzt ist er, als er Besuch antrifft und zwar einen Hauptmann, der ihm überdies als ein intimer Freund Emiliens hingestellt wird. Die zurückhaltende, zweideutige Sprache, dazu das Kokettieren Emiliens mit dem Offizier, wirken nahezu betäubend auf ihn. Die absprechenden Äußerungen Florivals bezüglich seiner äußeren Erscheinung, die durch die Verletzungen geradezu entstellt sei, lassen Tamper die Gewißheit gewinnen, daß Emilie ihm ihre Neigung zu Gunsten des Haupt manns entzogen habe. Seinen Vorwurf, daß sie an ihm schnöden Betrug geübt hätte, lehnt sie mit dem Bedeuten ab, daß die Freundschaft zwischen ihnen ein Ende habe. Ohne Umschweife weist sie ihn auf seine schwache Seite, die Eitelkeit, hin. Un umwunden legt sie ihm dar, daß die Einbuße seines ganzen Ver mögens ihre Liebe zu ihm nicht habe erschüttern können, allein eine Verbindung mit einem Verstümmelten einzugehen, widerstreite ihrem ästhetischen Empfinden! Geschickt weiß sie seinen Unmut zu steigern, indem sie sich wieder zum Hauptmann wendet. In grimmig heischt er nunmehr eine Erklärung, ob sie dessen Huldigungen entgegengenommen habe. Als sie dies bestätigt und ihn weiterhin ihre Ungnade fühlen läßt, glaubt er ihre Ge sinnungsänderung dem Einwirken des ihm unbekannten Offi ziers zuschreiben zu müssen. Jetzt bietet sich für Florival wiederum Gelegenheit, wirksam einzugreifen. Scharf und zu gleich drastisch betont sie, daß einzig und allein Emilie das Verfügungsrecht über ihre Hand zustehe. Es entspinnt sich ein erregter Streit, ein Wort gibt das andere, bis schließlich Tamper, seiner Wut über die verächtliche Behandlung als Krüppel und Blinder nicht länger Herr, die Maske der Verstellung fallen läßt. Statt der vernichtenden Wirkung, die er davon erwartet, erregt er bei den Anwesenden nur ein herzhaftes Gelächter und höhnische Bemerkungen. Als Tamper seine Befriedigung darüber kundgibt, daß sein Vorgehen ihm den Beweis ihrer Unbeständigkeit erbracht habe, hält ihm Emilie das Unwürdige und Kränkende seiner Hand