88 daran (an orthographischen Schnitzern) Schuld. Nicht selten aber wird er (der Schreiber) geschrieben haben, wie er sprach oder den Diktierenden sprechen hörte.“ . . . „Aber nicht alle Schreiber hatten ein strenges orthographisches Gewissen, namentlich in den Hand schriften vom VII. bis IX. Jahrhundert begegnet man oft eine gradexu wilde Orthographie.“ Ferner S. 1372: „Eine feste Orthographie für die im N. T. aus dem Semitischen stammenden Worte gab es natür lich nicht; daher geht hier die Schreibiveise in den Codd. so stark auseinander, dass mehrfach die von den Rezensionen selbst befolgte nicht mehr sicherxustellen ist.“ Ich glaube, diese Sätze genügen, um uns von vornherein mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass es unmöglich sein wird, die Orthographie der Orts- und Personen namen in der gotischen Überlieferung einheitlich aus dem zu Grunde gelegten Hss.-Material, ja nur der griechischen Überlieferung über haupt abzuleiten, d. h. buchstäblich. Stammen doch die meisten grade unserer byzantinischen Hss. aus den oben genannten Jahr hunderten und dazu der Codex argenteus aus Italien und aus einer Zeit, die durch mehrere Jahrhunderte von der Entstehungszeit der gotischen Übersetzung geschieden war, deren Orthographie also gewiss von der sprachlichen Entwicklung nicht unberührt geblieben sein wird. Sehr nahe liegt daher die doppelte Vermutung, dass auf diesem Gebiet am ehesten einmal alle byzantiuischen Hss. eine ursprüngliche Schreibweise verlassen haben, dass andrerseits die gotische Über setzung in ihrer Treue allein alte Formen bewahrt, aber auch trotz ihrer Treue grade lateinische Schreibgewohnheiten angenommen haben wird. § 36. Griechische Namenformell. Wenn trotzdem die Mehr zahl der Namenschreibungen im Gotischen mit denen der byzan tinischen, einige sogar allein mit jenen sich decken, so ist das eine nicht zu unterschätzende Bestätigung alles Vorausgegangenen. Ich habe absichtlich diese Fälle in meiner ersten Liste der Überein stimmungen zwischen dem griechisch-byzantinischen und dem gotischen Text nicht mit ' angeführt, um sie nicht aus dem Zusammenhang, in den sie von allem übrigen unterschieden gehören, herauszureissen, gebe daher zuerst eine Auswahl derjenigen Namen, deren Schreibung byzantinische bezw. griechische Herkunft verrät. I. Lukan: Aoöxav (Überschrift) 3. Ihiiaufeilu: OsöcptXs 5. Herodes: 'Hpwooo, vgl. Bernh. Anm. Judaias: ’loooatoc?, do. v. 65; II, 4; III, 1 etc.