44 150. In dem Augenblick, da ich mich aufrichtete sah ich Jenni bleich und mit überquellenden Augen an einen Schrank gelehnt. Als wir an ihr vorüber gingen, fuhr sie zusammen; eine Porzellanschale, die sie in der Hand hielt, fiel zu Boden und zerbrach. (S. 253.) 151. Als ich aufstand und aus dem Fenster sah, ging sie unten auf dem breiten Kieswege des Gartens. Sie trug wie gestern ein weißes Kleid; ich habe sie in jenen Tagen nie anders als in weißen Kleidern gesehen .... Sie ging vor mir auf dem breiten Steig . . . ; sie ging rasch wie in innerer Erregung und schwenkte ihren Strohhut an den seidenen Bändern. (S. 256.) 152 du bist noch ganz die alte herzlich heftige Jenni von vordem; mir war, als müßten sogar deine schwarzen Haare aus dem Knoten springen und sich wieder in kleinen wilden Kinderlöckchen um deine Stirn kräuseln . . . * (S. 256.) 153. Sie antwortete nicht, aber während wir nebeneinander hergingen, sah ich, wie ihre blitzenden Zähne sich in die rote Lippe gruben. (S. 257). 154. Hier war Jenni in ihrem Elemente. Mit den großen raschblickenden Augen verfolgte sie den Ball, und ebenso leicht, bald rückwärts, bald zur Seite weichend, flogen ihre Füße über den Rasen. Dann im rechten Augenblick schwang sie mit ihrer kleinen Hand den Ketscher und schlug das herabschießende Federspiel, daß es geflügelt in die Luft zurückstieg. Einmal auch, wie hingerissen in der Aufregung des Spiels, warf sie den Ketscher von sich und unter dem lauten Ruf: „Wie er fliegt! Ihm nach, ihm nach!' flog sie selbst, mit den Fingern wie zum Gruß in die Luft schnalzend, über den Boden da hin. — Oder wenn sie sich bückte und den Ball aufnahm, oder wenn er, von der kräftigen Hand meines Bruders getroffen, einmal über sie hinflog, — man mußte es sehen, wie sie dann den Kopf mit dem schweren glänzenden Haar zurückwarf und wie leicht und rasch diese biegsamen Hüften der Wendung des schönen Kopfes folgten. Ich konnte die Augen nicht von ihr wenden; in diesen kräftigen und doch so anmutigen Bewegungen war etwas, das unwillkürlich an die Ursprünglichkeit der Wildnis erinnerte. Auch meine gute Schwägerin schien ganz davon hingerissen. (S. 258.) 155. . . . sah Ich drüben am jenseitigen Ufer im Schatten der hohen Baumwand eine weiße Frauengestalt. Sie lehnte an einem Baume, der neben dem Wasser stand, und schien in die Tiefe hinabzublicken. Und jetzt mußte sie sich bewegt haben; denn, während sie noch eben ganz im Schatten gewesen, spielte nun das Mondlicht auf ihrem weißen Gewände. (S. 264.) 156. Als ich mich näherte, erhob die Gestalt den Kopf, und Jennis schönes blasses Antlitz wandte sich mir entgegen; es war so hell vom Mond beleuchtet, daß ich den bläulichen Schmelz der Zähne zwischen den roten Lippen schimmern sah. (S. 264.)