24 Meisterschaft erfordert. An diesem Prüfstein bewährt sich der Künstler, bewährt sich auch Storm: er hält sich gleich weit entfernt von der minutiösen Mosaiktechnik des Naturalis- % mus wie von den verfließenden Linien der Romantik, weder übertreibt, noch unterschlägt er das Recht der dichterischen Persönlichkeit, sondern in weiser Beschränkung, das milde Licht seines Dichtergemütes über den Kreis seiner Gestalten ausströmend, verbindet er beide Stile, den romantischen und den realistischen zu glücklicher Totalität. III. Teil. Der Gestaltenkreis. Halten wir Umschau unter dem vorüberwandelnden Reigen der Gestalten, die uns in den Novellen der Frühzeit entgegentreten, so finden wir alle Lebensalter: Kindheit, Jugend, reifes Alter, Greisentum beider Geschlechter in allen Kategorien des Schönen, des Charakteristischen und des Komischen vertreten. Die fühlbare Liebe des Dichters zu all seinen eigensten Geschöpfe, die so verschieden und doch so ähnlich, das Reich seiner Dichterphantasie be völkern, sie dringt auch durch in dem Streben, uns neben den seelischen die sinnlichen Lebensäußerungen, zumal ihr äußeres Bild eindringlich nahezubringen. Wie sein Auge sie deutlich erschaut in lebendiger Gegenwärtigkeit, so sucht er vermöge des Wortes das flüchtige ^°bild der Phantasie zu bannen: in weitem Umfang zieht er das Äußere seiner Gestalten itf die Darstellung und jeder weiß er charakte ristische Merkmale aufzuheften, und sei es der unbedeutend sten. Man fühlt, seine Phantasie hat ihre Freude am leben digen Spiele plastischer Gestalten; sie spiegelt sich in der liebevollen Sorgfalt, mit der er uns wieder und wieder ihre einzelnen Züge zumißt, in dem hinreißenden Schwung, mit dem er die bewegte Gestalt darstellt. Die ganze Liebe des