84 geworden. Nach den Befunden Stassanos liegt es näher, die Giftwirkung mit einer Hemmung der Fermentprozesse in Verbin dung zu setzen. Die Ursache der Giftigkeit grösserer Quecksilber dosen wird aber kaum eine einheitliche sein; ein Urteil ist daher vorerst nicht möglich. Auch die durch therapeutische Gaben zustande kommende Queck silberwirkung ist nicht lediglich eine katalytische. Wie ich auch früher betont habe, halte ich den katalytischen Einfluss dieses Me talls nur für e ne Komponente der pharmakologischen Wirkung. Immerhin aber möchte ich glauben, dass ihr für die antiluetische Therapie, vielleicht aber auch für die Behandlung der Enteritiden, die dominierende Rolle zukommt und zwar in um so höherem Grade, je geringer die Dosierung des Medikamentes gewählt wird. Denn die katalytische Beeinflussung ist vor sämtlichen bekannten Wir kungsarten dadurch ausgezeichnet, dass sie bei Konzentrationen von 1: 1 000 000 und darüber, d. h. bei Verdünnungen, in denen von sonstigen Prozessen nichts mehr wahrgenommen werden kann, noch eine beträchtliche Grössenordnung aufweist. Eine ganz besondere Stütze für die hier gegebene Auffassung der antiluetischen Quecksilberwirkung sehe ich in dem Umstand, dass auch dem Jod, dem Parallelmedikament des Quecksilbers, ähnliche katalytische Fähigkeiten zukommen. Auch dieser Stoff vermag, wie Walton *) in einer eingehenden Studie an zahlreichen seiner Verbindungen (Jodkali, Jodnatrium etc.) nachwies, katalytisch Wasserstoffsuperoxyd zu ersetzen. Ebenfalls katalysiert es Oxyda tions-Reduktionsvorgänge, wie Loewenhart und Kastle 1 2 ) an dem Beispiel der Ameisensäureoxydation durch H2O2 und Schümm 3 ) an der analogen Reaktion des Benzidins zeigen konnten. Aber auch anderweitige Prozesse unterliegen seinem katalytischen Einfluss, so die Polimerisation, Kondensation und Umlagerung der Aldehyde und Ketone 4 ) und die Bromierung und Chlorierung organischer Stoffe 5 ). Wenn es auch ein leichtes wäre, die Zahl dieser Katalysen durch Sammlung aus der Literatur zu vermehren, so mögen doch diese Daten genügen, um hier für das Jod das Vorhandensein ähnlicher 1) Zeitschr. f. physik. Chem. 47, 185. 2) Americ. chem. Journ. 29, 397—437. 3) Nach privater Mitteilung und eigener Kontrolle (Jodkali). 4) cf. Bredig, Anorg. Fermente 1901. p. 39. 5) cf. J 011 e s, Katalysatoren vom physiologisch-chemischen Standpunkt. Wien 1905. p. 7.