wunderbar, dass die dichter der nachkarolingischen zeit, der periode, in der sich der grosse aufschwung der xnittellateinischen dichtung voll zog, auch dieses kunstmittel eifrig pflegten. So finden wir denn in allen liedern der Cambridger hand- schrift 1 , welche 33 gedichte deutscher herkunft aus dem 10. und 11. jahr- hundert enthält, die alütteration verwendet. Ich greife zum belege einige lieder heraus: nr. IV (a. 1024) 7 vultu elaro monstravit cordis clemen- tiam, clerum, populum pro posse semper laetificaus; 18 hoc angelica poscit gloria, apostolicus poscit ordo praeluddus; nr. VII (1028—1035) 1 sponso sponsa carissimo se ipsam in coningio ambosque diu vivere post caeli culmen capere .. 15 o quam felix tu feceras, quod hunc virum adduxeras, qui me fascam illuminat et me fra- ctam resolidat . . nr. X 1 caute cane, cantor care, clare conspirent cannulae, comptae chordae condnentiam. carpe callem commodam convalles construe . . nr. XVI 1 gratiae usiae solvimus supremae, cui nihil accedit neque recedit omnia continenti non contento invisibili domino; 15 hinc stimulatus serpens antiquus suasit amarum mandare pomum; nr. XXIII 1 audax es vir iuvenis, dum fervet caro mobilis; audacter agis, perperam tua membra coin- quinas; 5 elevas tuos oculos ul vanitatem videas; flectitur mens misera ad malum erigis membra. In dieser art zeigen alle lieder 2 der Cambridger handschrift bald stärker, bald schwächer, alütteration: wir ersehen daraus, dass diese technik schon im 10. und 11. Jahrhundert in Deutschland allgemein verbreitetes kunstmittel war. Allerdings trat es dann vor der inten siveren betonung des reirns und seiner ausbilduog zunächst etwas in den hintergrund, und wir erkennen auch, dass bei den Cambridger liedern die alütteration stärker auftritt in den reimlosen Sequenzen als in gereimten liedern (vgl. z. b. V lind VI!). Aber der grosse aufschwung der dichtung im 12. und 13. jahrhundert kam auch der allitterations- technik zu gute, und die französische kunst, die im 12. jahrhundert die entwicklung auf den gipfel führte, verwendete auch dieses stil mittel mit vollendeter Virtuosität, wie es die lieder Walthers von Chatillon, der handschrift von St. Omer u. a. zeigen. Und so pflegte auch die deutsche vagantenpoesie die alütteration, da sie ihr ja nichts fremdes mehr war. Daher finden wir in der Sammlung deutscher Vagantenlieder des 12. und 13. jahrhunderts, der Benedictbeurer handschrift, die erschei- 1) S. Zeitschr. f. d. a. bd. XIV s. 449 fgg. 2) Vgl. auch Zeitschr. f. d. a. bd. XI s. lfg.