65 scimus caeli hinc offensum regem immensum. Heinrico requiem rex Christe dona perhennem! der kexameter bildet den abgesang in dem ganzen liede. Ferner führt W. Meyer 1 ein gedieht über die Zerstörung des klosters Glonnes im jahre 850 an, dass aus 39 Strophen zu je 4 achtsilblern be steht, von denen je 3 Strophen zu einem ganzen vereint sind, indem jedesmal 2 Strophen die eine, die dritte eine neue melodie aufweisen; und W. Meyer bemerkt dazu: „Wir stossen hier auf die uralte gliederung: Strophe, gegenstrophe und epode oder stollen, gegenstollen und ab gesang“! Infolgedessen halte ich den dreiteiligen strophenbau nicht für etwas der lateinischen dichtung fremdes, sondern für eine der vielen aus- drucksformen der dichtung im 12. und 13. Jahrhundert, die vielleicht in der weniger entwickelten kunst der früheren perioden nicht so stark zur geltung gekommen war, nun aber mit der allgemeinen blüte der lateinischen poesie wider reichlich verwendet wurde. Und wenn auch vielleicht für den Marner um 1230 das deutsche vorbild massgebend war, so werden wir doch bis auf weiteres den übrigen erscheinungen, die einen so ausgedehnten geltungsbereich andeuten, ihre Originalität nicht absprechen dürfen. Dass wir so verhältnismässig wenige Strophen in dieser form finden, erklärt sich einfach daraus, dass diese bauart eine hohe kunstform war, und die meisten der erwähnten lieder charak terisieren sich auch als vollendete producte der bliitezeit. § 4. Allitteration und Wortspiel. I. Allitteration. Die allitteration ist ein uraltes stilmittel. Die classische poesie der Griechen kannte es und die der Römer. Natürlich ist darunter die germanische allitteration nicht zu verstehen, die ihre eigenen gesetze hatte: sondern es herrscht das bestreben, mehrere Wörter eines verses durch gleichen anlaut zu verbinden, um so den musikalischen klang zu erhöhen. Dieses stilmittel verwenden die mittellateinischen dichter in quan- titierender und rhythmischer poesie, ja in prosa. Schon vor der karo lingischen zeit war die allitteration ein anerkannter schmuck der dich tung 2 , der oft bis zum Übermasse gebraucht wurde. So ist es nicht 1) Gesammelte ablidlg. I s. 32/33. 2) Vgl. W. Meyer, Ges. abhdl. II p. 366 ff. 5