64 lateinischen lyrik überhaupt annimmt, da wir sie in den verschiedensten gattungen allein unter den liedern unserer Sammlung antrafen. Und wenn wir die oben angeführten lieder auf ihre nationalität hin näher betrachten, so ergibt sich: aus Deutschland stammt 201 s. 79 als lied des Marners, aus Frankreich 86 s. 49 und 85 s. 47 1 ; bei Dreves, der aus einer italienischen handschrift schöpft, stehen nr. 11 s. 8, 15 s. 12, 75 s. 45, 38 s. 125. Im Medicaeus und bei Wright 1 2 steht nr. 40 s. 129, in einer Erfurter handschrift bei französischem text nr. 44 s. 134 3 . Also über das ganze gebiet der mittellateinischen dichtung er streckt sich diese form, wenn wir nur die lieder unserer handschrift berücksichtigen. Wir finden jedoch bei Dreves 4 noch viele beispiele des dreiteiligen strophenbaus aus liedern des 12. und 13. Jahrhunderts: um eines anzuführen: Dreves 21 s. 54 nr. 75 erce festum nobile, quod dat anni reditns mundo celebrabile, in quo sanctus Spiritus praecordia replevit fidelium sua sancta gratia; andere belege finden sich s. 25. 32. 34. 68. 127 usf. Angesichts dieser Verhältnisse ist die behauptung, dieses princip des strophenbaus sei der kunst der troubadours entlehnt, einmal sehr unwahrscheinlich, da die kirchliche lateinische dichtung bekanntemassen grundlage für manche einzelheiten in form und inhalt der minnedich- tung gewesen ist und gerade sie besonders diese form zeigt; und anderer seits erscheint die dreiteilung der Strophen schon vor dem 12. Jahr hundert in der lateinischen dichtung. Unter den Cambridger liedern bietet m. e. nr. III diese form, wenn es heisst (a. 1024): lamentemur nostra sodi peccata, lamentemur et ploremus, quare tacemus? pro iniquitate corruimus late, 1) Ygl. W. Meyer, Fragm. Bur. s. 20. 2) Early Mysteries s. 111. 3) VgL W. Meyer, Fragm. Bur. s. 20. 4) Analecta hymnica bd. 21.