10 eine neue Präge betreffs der nosologischen Steilung der uns hier interessierenden Krankheit. Romberg redet von der »psychischen Hyperästhesie« als von einer Erregung und Unterhaltung abnormer Sensationen, bedingt durch das Fixieren von Empfindungen durch den Geist. Nur wo geistige Intention neue Sensationen schaffe, sei Hypochondrie vorhanden. Während diese Erklärung noch aus der Zeit stammt, in der die Hypochondrie als Nervenerkrankung betrachtet wurde, sehen die folgenden sämtlich in ihr eine Psychose. Mendel definiert das Leiden, das er unter die Zahl der depressiven Geisteskrankheiten rechnet, »als eine funktionelle Hirnerkrankung, deren wichtigste Symptome Furcht und Angst in bezug auf den Zustand des eigenen Körpers sind.« Wie durch diese funktionelle Hirnerkrankung, eine pathologische Veränderung der Hirnrinde, die hypochondrischen Wahnvorstellungen entstehen, zeigt uns Hitzig, der seine Definition: »Hypochondrie ist eine krankhafte Veränderung der Selbstempfindung« näher begründet durch Klarlegung des letzteren Begriffes. Das Wesen der Selbstempfindung bestehe in einer normalerweise die Schwelle des Bewußtseins nur wenig oder garnicht überschreitenden Wahrnehmung der einzelnen Organe. Nicht anders wie bei der Hypochondrie sei die krankhafte Veränderung der Selbstempfindung eins der hauptsächlichsten Zeichen der meisten Geisteskrankheiten, bei ihr aber trete sie besonders in den Vordergrund wegen der eigentümlichen Form, in der sie zum Ausdruck gelange. Der Anlaß zu diesen eigenartigen Störungen liege in der krankhaften Veränderung der Großhirnrinde. Sie sei nicht mehr imstande, die ihr zuströmenden physiologischen Reize richtig zu verarbeiten, sie gestalte sie zu pathologischen Bewußtseinsvorgängen. Wie Schüle, der von einer »psychischen Neurose auf Grundlage einer Hyperästhesie der Empfindungsnerven einzelner oder aller Organgebiete und mit der Wirkung eines dadurch gesetzten Zwanges auf das gesamte Seelenleben« gesprochen hatte, teilt auch Kraft-Ebing Hitzigs Stand punkt von der primären Störung der Selbstempfindung. Er