10 lasse ich diese Psychose, als kein besonderes Charakteristieum der Polyneuritis, gänzlich außerhalb meiner Betrachtungen und wende mich vielmehr ausschließlich zur Besprechung der so genannten Korsakow’schen Psychose. Wenn auch schon frühere Beobachter, wie Magnus Huß, Lilienfeld, Müller, Freund u. a., die Veränderungen der Psyche bei der Neuritis alcoholica mehr oder weniger ausführlich be schrieben hatten, so gebührt doch dem russischen Psychiater Korsakow das Verdienst, diesen Symptomenkomplex als Erster genauer analysiert und von verwandten Psychosen abgegrenzt zu haben. Seitdem ist auf das Studium dieser Geisteskrankheit sehr viel Fleiß und Arbeit verwendet worden. Ich hebe als die verdientesten Autoren hervor i Tiling, Jolly, Redlich, Moeli, Strümpell, Bonhoeffer, Mönkemöller, E. Meyer und Raecke. Was zunächst die Symptomatologie der zu behandelnden Psychose betrifft, so hat Korsakow selbst anfangs offenbar den Begriff derselben zu weit gefaßt. Er hat fremde Elemente mit den eigentlichen Symptomen verquickt. Besonders hat er dem Delirium tremens eigene Erscheinungen als durchaus zum Bilde der später nach ihm benannten Geistesstörung gehörig betrachtet. Er unterschied ursprünglich zwei Formen der Psychose. Die eine sollte den Charakter „stupurösen Schwachsinns“, die andere den der „apathischen Verwirrtheit“ tragen. Beide sollten eingeleitet werden durch eine Phase hochgradiger Erregung> die mit Tobsuchtsanfällen und schweren Angstzuständen infolge von Halluzinationen des Gesichts und Gehörs einherginge. Später hat er selbst die stupurösen Zustände aus dem Bilde seiner Psychose gestrichen und den Hauptwert auf die eigentümliche Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörung gelegt. Dabei hat er als das Wesentliche hervorgehoben — was auch heute noch als durchaus zutreffend anerkannt wird — „daß die Erinnerung fast ausschließlich für das kürzlich Dagewesene schwindet, während das Gedächtnis für die zeitlich entlegeneren Ereignisse fast stets völlig intakt bleibt.“ Wenn wir nun die wesentlichsten Erscheinungen der Korsakow’schen Psychose näher betrachten, so ist zunächst der verschiedenartige Beginn derselben von Interesse. In den meisten Fällen — Bonhoeffer meint in mindestens 2 k aller