•54 La Serre hat B.’s Kritik ihre Gültigkeit bewahrt; frühzeitig vergessen, ist er es bis auf den heutigen Tag geblieben, sodaß Morillot 68 ) mit Recht von seinen Werken bemerkt: »ils dorment dans la poussiere le juste sommeil de l’oubli.« II. § 42. In seinem Briefe an Perrault aus dem Jahre 1700, in dem B. bemüht ist, auch den von ihm einst angegriffenen Dichtern nach Möglichkeit gerecht zu werden, lesen wir einen Satz, der uns auf den ersten Blick stutzig machen könnte, da sich in ihm, wie es scheint, ein großer Widerspruch mit seinen übrigen Ausführungen über die Romane offenbart. Die Litteratur zur Zeit des Augustus mit der zeitgenössischen ver gleichend, schreibt B. »Je montrerais qu’il y a des genres de poesie, ou non seulement les Latins ne nous ont point sur- passes, maisqu’ils n’ont pas meine connus; comme, parexemple, ces poemes en prose que nous appelons Romans et dont nous avons chez nous des modeles qu’on ne saurait trop estimer. »Die Romane der Scudery, la Calprenede’s und ihresgleichen waren mit diesen »modeles« sicher nicht gemeint. Abgesehen davon, daß eine derartige Meinungsveränderung von Seiten B.’s niemals zu erwarten gewesen wäre, braucht nur daran erinnert zu werden, daß B. noch lange nach der Abfassung dieses Briefes durch die Veröffentlichung des Dialogs »Les Höros de Romans« und dem dazu verfaßten Discours genugsam dargetan hat, daß sein Urteil über die Genannten sich nicht geändert hatte. Aber es darf wohl in Anbetracht des Zusammenhanges der Stelle und unter Berücksichtigung des Zeitpunktes, 69 ) in dem der Brief geschrieben, nicht als unwahrscheinlich bezeichnet werden, daß B. zu diesen Musterdichtungen die Novellen der Mme de Lafayette 70 ) zählte. Umsomehr, da wir wissen, daß B. sich auch anderweitig lobend über diese Verfasserin ausgesprochen hat. Ihre einfache, von jeder Effekthascherei freie Sprache, die natürliche Empfindung und Darstellung wie sie z. B. in der Princesse de Cleves zum Ausdruck kam, standen in lebhaftem Gegensatz zu den von B. so unbedingt verurteilten Scudery’schen Romanen. Zwar sind es nur wenige Worte, 71 ) die wir von B. als Zeugnis seiner Anerkennung haben, doch sind sie gewichtig und vielsagend genug. Unser Gewährsmann, Abbe d’Olivet, berichtet in seiner Histoire