8 uns nun leicht verständlich sind, während sie in früheren Zeiten sicherlich auch in ähnlicher Form beobachtet wurden, aber nie richtig gedeutet werden konnten. Wir wissen jetzt, daß, wie in der Milz so auch im Knochenmark der Wirbel, Ansiedelungen von Infektionserregern zur Regel gehören und wundern uns nicht mehr, wenn es dadurch im Mark zu Schädigungen kommen kann. 1. Nonne 1 stellte 1902 im ärztlichen Verein zu Hamburg aus dem Eppen- dorfer Krankenhaus einen 39jährigen Mann vor, bei welchem sich nach einer Pneumonie unter dem Bilde der Kompression eine spastische Paraplegie superior et inferior entwickelt hatte, welche vollkommen ausgeheilt war. Der Kranke kam im Alkohol-Delirium auf die Abteilung. Es entwickelte sich eine croupöse Pneumonie des rechten Unter- und Mittellappens, welche ohne Komplikation seitens der inneren Organe abfiel. Am 3. Tag nach der Krise zeigte sich unter erneutem Fieber eine Anschwellung und Druckempfind lichkeit am rechten Caput humeri, welche sich im Laufe einer Woche zurückbildete. Wieder 2 Wochen später traten, ebenfalls unter Temperaturanstieg, heftige Schmerzen im Bereich des untersten Zervikal- und des obersten Dorsalwirbels auf. Die Schmerzen strahlten in Schulter und Arme aus, die Halswirbelsäule wurde steif gehalten, aktive und passive Bewegungen wurden ängstlich ver mieden. Es bestand eine auf die genannten Wirbelfortsätze beschränkte Druck empfindlichkeit. Von chirurgischer Seite wurde eine Spondylitis angenommen. Symptome seitens des Nervensystems bestanden zunächst nicht. 2 Wochen später begann eine spastische Parese der oberen und unteren Extremitäten zu völliger Paraplegie sich steigernd, die Sensibilität war in allen Qualitäten herabgesetzt bis zur Höhe der 3. Rippe, am tiefsten alteriert war das Lagegefühl, und zwar am meisten an den distalen Gelenken. Unter Extension bildeten sich im Laufe von 4 Wochen die Lähmungserscheinungen zurück, von den spastischen Er scheinungen blieb nur eine Lebhaftigkeit der Sehnenreflexe, während die reflek torischen Muskelkontraktionen und die pathologische Steigerung der Sehnenreflexe aufhörten; die bestandene Sphinkterenstörung, die Schmerzen und Druckempfind lichkeit im Nacken gingen ebenfalls allmählich zurück. Nach Verlauf einiger Monate waren die letzten Spuren der Krankheit geschwunden. Der Patient hat sich dann nach seiner Entlassung noch wiederholt vorgestellt, stets ohne die geringsten Spuren, die von dieser Erkrankung herrühren konnten, zu zeigen. Symptome seitens der Gehirnnerven, der Pupillen, des Augenhintergrunds usw. haben nie bestanden. Es hat sich also um eine metastatische postpneumonische Erkrankung der Wirbel gehandelt, die zu einer Pachymeningitis externa geführt hat, die ihrerseits vorübergehend das Rückenmark komprimierte und unter Rückbildung des Exsudats dann ausheilte. Die Annahme einer post pneumonischen primären Meningomyelitis ist auszuschließen, weil klinisch primär eine Erkrankung der Wirbel sich zeigte, dann das reine Bild der Kompression auftrat und weil die Pneumokokkenmeningitis nach den bis herigen Erfahrungen stets einen akuten Verlauf nimmt. 1 Neurologisches Centralblatt XXI, 1902. S. 622.