Full text: Adreßbuch der Stadt Kiel, sowie der Ortschaften Gaarden und Ellerbek für das Jahr 1882. (1882)

Achte Abtheilung. 
Allgemeine 
Meldepflicht. 
An- und abziehende Personen haben sich bei 
Vermeidung einer Geldstrafe bis zu M. 30, oder 
verhältnißmäßiger Haft, spätestens innerhalb 3 
Taigen nach eingetretener Veränderung desWohn- 
und Aufenthaltsortes zu melden. 
Zu diesen Meldungen sind auch diejenigen, 
welche als Dienstherrschaften, Meister, Arbeitgeber, 
Hauseigenthümcr, Zimmer- und Schlafstellen- 
Vermiether die betr. Personen bei sich aufgenom 
men haben, innerhalb 6 Tagen nach dem Ab- 
»ber Anzuge verpflichtet, sofern sie sich nicht durch 
Einsicht der polizeilichen Bescheinigung von der 
bereits erfolgten Meldung Ueberzeugung verschafft 
laben. 
Die Meldungen für Kiel sind im Personenstands 
bureau und im Polizeimelde-Zimmer (Zimmer 
Nr. L und 12 des Stadthauses, Dammstraße Nr. 
; A.) zu bewirken. 
Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden 
Gewerbes beginnt, oder ein bisher >m steuer 
freien Umfange betriebenes Gewerbe aus den steuer 
pflichtigen Umfang ausdehnt (durch Vermehrung 
ker Zahl der Gehülfen oder Lehrlinge, Einrichtung 
eines Ladengeschäftes, Vermehrung der Zahl der 
Webstühle über 4, Vermehrung der Zahl der 
heizbaren möblirten Zimmer über 2, durch Be 
nutzung von Schiffsfahrzeugen zur Beförderung 
fremder Waaren, durch Anschaffung eines zweiten 
Pferdes zum Betriebe des Fuhrmannsgewerbes 
u. s. w.) hat vor, spätestens gleichzeitig mit 
dem Eintritt dieser Ursachen die Anmeldung bei 
ter Gemeindebehörde des Ortes der gewerblichen 
Niederlassung bei Vermeidung der gesetzlichen 
Strafen zu bewirken. 
(Anmeldung für Kiel im Personenstandsbureau.) 
Kaufleute, Fabrikanten und andere Per 
sonen, welche ein stehendes Gewerbe betreiben, sind 
befugt, außerhalb des Ortes ihrer gewerblichen 
Niederlaffung persönlich oder durch Reisende 
Waaren aufzukaufen und Bestellungen auf Waaren 
zu suchen. Sie bedürfen dazu eines Legitima- 
rionsscheines, welcher für Kiel im Perso nen- 
'tandsbureau zu beantragen ist. 
Er ist gültig für das Kalenderjahr und alljähr 
lich im November neu zu beantragen. 
Der qu. Schein wird unentgeltlich vom Königl. 
Landrathsamt in Bordesholm ausgestellt. Für 
ein Geschäft können mehrere unentgeltliche Scheine 
beantragt werden. 
Der Inhaber eine« Legit.-Scheines darf aufge 
pauste Waaren nur Behufs deren Beförderung 
Ullchrichteii. 
nach dem Bestimmungsorte und von den Waaren, 
aus welche er Bestellungen sucht, nur Proben oder 
Muster mit sich führen. Er hat den Schein auf 
der Reise stets bei sich zu tragen und darf eine 
andere, als die darin genannte Person, ihn uicht 
benutzen. Ein derartiger auswärtiger Geschäsrs- 
betrieb ohne Legit.-Schein, auch wenn dieser 
bereits beantragt sein sollte, ist verboten. 
Auszug ans dem Gesetze vom 21. Mai 
1861, betr. die Einführung einer allge 
meinen Gebäudestcuer. 
8 15. Um die aufzustellenden Gebäudestcuer. 
rollen bei der Gegenwart zu erhallen, müssen darin 
alle Veränderungen nachgetragen werden, welche 
dadurch entstehen, daß 
1) in dem Eigcnthumsverhältniß der Gebäude 
ein Wechsel eintritt; 
2) bisher steuerpflichtige Gebäude in die Klaffe 
der steuerfreien übergehen, oder umgekehrt; steu er- 
freie Gebäude sind u. A. solche, welche zum 
öffentlichen Dienste, Unterrichte, Gottesdienste, 
oder als Diensthäuser, Armen-, Waisen-, Kranken 
häuser u. bergt, benutzt werden, ferner diejenigen 
unbewohnten Gebäude, welche nur zum Betriebe 
der Landwirthschaft bestimmt sind, oder welche zu 
gewerblichen Anlagen gehören und nur zur Auf 
bewahrung von Brennmaterialien und Rohstoffen, 
sowie als Stallung für das lediglich zum Ge 
werbebetriebe bestimmte Zugvieh dienen, endlich 
die zn Ent- oder Bewässerungsanlagen dienenden 
unbewohnten Gebäude; 
3) Gebäude durch Veränderung ihrer Bestim 
mung aus der mit 2 °/ 0 des Nutzungswerthes be 
steuerten Klasse der zum Gewerbebetriebe benutzten 
Gebäude, in die mit 4 1 /, besteuerte Klasse der 
vorzugsweise zum Bewohnen oder als Schauspiel-, 
Ball-, Bade-, Gesellschaftshäuser und ähnliche be 
nutzten Gebäude übergehen oder umgekehrt; 
4) Gebäude neu entstehen oder gänzlich ein 
gehen; 
5) besteuerte Gebäude durch Veränderung ihrer 
Substanz, namentlich durch das Aufsetzen oder 
Abnehmen eines Stockwerks, oder durch das An- 
baueu oder Abbrechen eines Gebäudetheils, durch 
Vergrößerung oder durch gänzliche oder theilweije 
Abtrennung der dazn gehörigen Hofräume und 
Gärten an Nutzungswerth gewinnen oder verlieren. 
8 16. Die Eigenthümer oder Nutznießer der 
Gebäude sind verpflichtet, die im 8 13 gedachten
	        

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