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kommunalen Kleingartenvorsorge durchaus rechtfertigen: ihre Bedeu
tung für die Sicherung und Stärkung der Ernährungsbasis unserer
städtischen Bevölkerung fordert sie gebieterisch. Kiel gehört mit Bremen
in die Reihe der Großstädte, die das bestentwickelte Kleingartenwesen
aufweisen. Kiel hat sozialhistorisch vielleicht die interessanteste Entwick
lung zu verzeichnen: hier wurden im Anfange des vorigen Jahrhunderts
auf Initiative des dänischen Königs Friedrich VI Gärten an Stelle von
Bargeldunterstützung an Arme gegeben.*) Aus solchen Anlässen hat sich
in Verbindung mit den natürlich auch in Kiel wie überall vorhandenen
Bürgergärten vor der Stadt der reiche Kranz von Kleingärten entwickelt,
der die Stadt heute umgibt. Die Notwendigkeiten der letzten Jahre
haben diesen Stadtgürtel ständig vermehrt. Rund 30 000 Kleingärtner
schaffen heute wertvolle Nahrungsmittel im Kieler Kleingartengürtel und
haben sich in ihren Organisationen eine wirksame Vertretung ihrer
Eachinteressen geschaffen.
So wären denn die Elemente eines Grüngürtels^-oder Kulturgürtels,
wie wir ihn auch nennen können — in einfacher Aufzählung noch ein
mal die folgenden: Parkanlagen, Friedhöfe, Sport - und
Spielplätze verschiedener Art und Größe vom Klein
kinderspielplatz bis zum Stadion, und die große Masse der städtischen
Kleingärten: alle diese Teile in Verbindung gebracht durch ein
System von Promenadewegen und Straßen.
Geht man an den Ausbau des so geplanten Ganzen, das man als
einen großen Volkspark, gepflanzt vom Volke für das Volk, ansehen
mag, so drängen sich die wichtigsten Aufgaben auf dem Gebiet der Klein
gartenfürsorge auf. Sie sind gekennzeichnet durch den jahrelangen
Zähen Kampf, den die Kleingärtner um ihren Landbesitz führen und der
*) Dr. Trautmanns: „Kiels Ratsverfassung und Ratswirtschaft" und die „Mit
teilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte" lasten über die Entwicklung des
Pachtgartenwesens der Stadt Kiel folgendes erkennen:
König Friedrich VI. von Dänemark, Herzog von Schleswig-Holstein und
Lauenburg, beauftragte am 9. April 1822 ein Mitglied der schleswig-holsteinischen
Landkommission, die Städte Schleswig-Holsteins zu bereisen, um Untersuchungen an
stellen, von welchen Städten armen Familien Land zum Anbau von Garten- und
Feldfrüchten überlasten werden könne. Rach verschiedenen Angaben wurden in
«nesem Sinne in mehreren Städten Einrichtungen geschaffen. Die Stadt Kiel ging
'm Jahre 1830 auch daran, kleine Handwerker und Tagelöhner, also die nicht schon
ganz verarmten Familien, gegen geringe Vergütung in die Lage zu bringen, ihren
^edarf an Feld- und Eartenfrüchten selbst zu bauen und auch wohl durch den Ver-
kam non Flüchen eine kleine Nebeneinnahme sich zu verschaffen. Gutes Land in der
^lahe der Stadt wurde hierfür verwendet. Zunächst erhielten 59 Familien je 20
^"Etruten zugeteilt. Für die ersten zwei Jahre wurde keine Pacht entrichtet,
von Marz 1832 ab für jede Rute 15 Pfg. Eigentliche Pachtgärten wurden die
Garten in Kiel jedoch erst seit etwa 1866. Die weitere Entwicklung vollzog sich vom
Jahre 1880 an besonders rasch.

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