Full text: Ueber einen Fall von Stillscher Krankheit bei einem zweijährigen Knaben

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doch mit der Möglichkeit rechnen müssen, dass sich eines Tages 
ein Recidiv einstellt. 
Fassen wir die Krankengeschichte noch einmal kurz zu 
sammen, so haben wir es mit einer Gelenkaffektion bei einem 
2jährigen Knaben zu tun, der eine wochenlange Periode von 
unbestimmten, besonders auf den Darmkanal lokalisierten Krank 
heitserscheinungen vorauf ging, bei der mehrmals wochenlange 
stark fieberhafte, oft von einem grossfleckigem Exanthem beglei 
tete Intervalle mit völlig fieber- und beschwerdefreien Zeiten ab 
wechselten. 
Schon diese Vorerscheinungen waren bereits so heftig, dass 
sie einerseits den Verdacht eines Typhus, einer Darm- oder Me 
senterialtuberkulose erweckten und andererseits die behandelnden 
Aerzte übereinstimmend eine Laparatomie für indiciert hielten. 
Dieser letzte Grund ist wohl hinreichend beweisend für die Schwere 
des Krankheitsbildes, denn so leicht dürfte man sich bei einem 
2 jährigen Kinde nicht zu einer Laparatomie entschliessen! 
Auf dieses Vorstadium folgte die eigentliche Gelenks 
erkrankung. Sie besteht in anfallsweise auftretenden Schwellungen 
und Verdickungen bestimmter Gelenke. Die Anfälle werden stets 
von staffelförmig an- und absteigendem Fieber mit sehr erheb 
lichen Morgenremissionen begleitet; beim Beginn bestand meist 
ein etwa 24stündiges, in seiner Lokalisation wechselndes, nicht 
juckendes, bald morbiden- bald urtikariaähnliches Exanthem. Die 
Krankheitserscheinungen an den Gelenken waren zunächst die 
des akuten Gelenkrheumatismus; freilich zeigten sich dabei einige 
Besonderheiten. Zunächst trat das Leiden stets symmetrisch auf, 
ferner waren die einmal befallenen Gelenke auch die später immer 
wieder ergriffenen; dann schien eine gewisse Vorliebe für be 
stimmte Gelenke vorzuherrschen. Die Reihenfolge der erkrankten 
Gelenke war: Die Tarsal- und Carpalgelenke zu gleicher Zeit, 
dann die Gelenke der Hals- und Brustwirbelsäule, schliesslich 
das Ellenbogen- und Kniegelenk. Merkwürdigerweise blieben die 
grössten (Schulter- und Hüftgelenk) und die kleinsten (Zehen- 
und Fingergelenke) ganz verschont. Schliesslich war die Schmerz
	        
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