Full text: Zwey Reden, gehalten in den Versammlungen der vier vereinigten Freymäurerlogen in Hamburg

Aber welch ein neues kräftige« Motiv zur Weis 
heit und zur Tugend, wenn unser Leben auf derErde 
nicht die lehre, höchste Sphäre unsrer Thätigkeit ist; 
wenn wir fortdauern, mit Bewußtseyn fortdauern, 
zu steigender Vollkommenheit, und ewig! 
Al« höchst wahrscheinlich hofft dies die Vernunft. 
Soll unsre Seele vernichtet werden? vernichtet vom 
Senn znm Nichtseyn? Der Sprung vom Seyn zum 
Nichtseyn ist über die Kräfte der Natur. Nur Gott 
könnte sie vernichten — wenn er nicht Gott wäre. 
Ohne Vernichtung geht nichts in der Schöpfung 
verlohren. Und die erworbnen Vollkommenheiten 
des Geistes, der leßte Endzweck der Schöpfung, 
wären nicht wichtiger, nicht der Fortdauer werther, 
als das, was nicht als Endzweck, nur für den 
Endzweck da ist? Das wäre Plan des Allweisen?— 
Gotteslästerung! — (*) 
Welch ein entsetzlicher, niederschlagender Ge 
danke ist der Gedanke von der Vernichtung! Dem 
Glücklichen ist er eine Schlange zwischen Blumen, 
mischt sich in seine Freuden, vergiftet den Genuß des 
Lebens. Dem Unglücklichen nimmt er den einzigen 
Trost, -er das Elend versässen kann — die Host 
nung. 
Zwar der Mensch kann den Plan der Gottheit 
nicht im Ganzen übersehn, nicht mit Gewißheit ent- 
B 4 schei- 
(*) PhLdo«. S. 13 9- **• f* w.
	        

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