Full text: Zwey Reden, gehalten in den Versammlungen der vier vereinigten Freymäurerlogen in Hamburg

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Sinnliches Vergnügen ist allerdings einBedürf- 
niß des Manschen, der nicht blos Geist rst, der auch 
einen Körper hat» 
Alles um uns her labet uns zur sinnlichen Freude 
ein. Gott schenkt sie uns. Der Mann, der sie, 
in seiner Aräraxie, schmäht, lästert Gott — dem 
die Freude seiner Geschöpfe so lieb ist, der seine sinn 
lichen Geschöpfe auch zur sinnlichen Freude 
erschuf. 
Aber unglücklich ist der Mann, der nur sinnliche 
Freude kennt, der sic nicht dutch Weisheit und Tu 
gend verlängern und erhöhen kann. Wie wenig 
Freude hat der Arme! Wie flüchtig ist seine Freude! 
Wie klein rst sein Glück! Es ist nur das Uebcrmaaß 
sinnlicher Freuden, die ganz ausser feiner Macht sind, 
über sinnliche Schmerzen, die er leiden MUß, ohne 
sie mildern zu können. 
Wie leer ist ihm jeder Augenblick, den fein neuer 
Genuß ausfüllt! Ec kennt nur den Scharren der 
Freude, der flieht, sobald er gehascht ist. Zu stumpf 
sind seine Sinne, sie ganz und lange zu genicssen. 
Sättigung und Eckel folgen ihr bald, weil er die 
Kunst nicht versteht, die grosse Kunst: sich seines 
Daseyns recht zu freu'n. — 
Gefühllos wandelt der Dummkopf, der Laster 
hafte durch die Schönheiten der Schöpfung. 2hm 
lacht der Schmuck der Wiesen nicht, ihm schattet 
der Wald umsonst, die Nachtigall singt nicht für 
B 3 - ihn.
	        

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