Full text: Zwey Reden, gehalten in den Versammlungen der vier vereinigten Freymäurerlogen in Hamburg

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der weise, gute Mann ganz, weil nur er bas Glück 
ganz fühlte, das er verlohr. 
Wäre darum der selbstische, gefühllose Mann 
beneibenöwerth? D fürwahr nicht, meine Brüder, 
denn eben das weiche, göttliche Gefühl, das Gott 
in die Seele des guten Mannes legte, ist der Quell 
seiner reinsten, edelsten Freuden. 
Er sieht Unglückliche, denen er nicht helfen kann. 
Das schmerzt ihn. Aber darum schmerzt es ihn, 
weil er schon vielen half, schon oft die hohe Freude 
fühlte: Glückliche zu machen. Nicht ganz kann er 
die Thränen der Unglücklichen abtrocknen, aber doch 
ihren Schmerz durch Trost lindern, mit ihnen wer» 
nen, sich Mensch fühlen, und Balsam in die Wunde 
giessen, die er nicht heilen kann? Ist das nicht auch 
Freude? 
Sein Freund verläßt ihn. Seine Geliebte stirbt. 
O, wenn er die Seligkeit der Freundschaft und der 
Liebe nicht so rein, so ganz, so unaussprechlich ge» 
fühlt hätte, so würde er so nicht weinen. Und er 
wird nicht immer weinen. Dies Erdenleben war 
für feine Liebe zu kurz. Da, wo keine Leidenschaft 
die Seele benebelt, wird sein Freund sich schämen, 
daß er ihm Unrecht that. Da, wo der Tod nicht 
ist, wo die Thräne der Trennung nicht fließt, da 
wird er die Geliebte wieder finden, die Gott für ihn 
schuf — und doppelt fühlt er dann, in ihrer Umax» 
mung, Freude des Himmels! ■—>
	        

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