Full text: Zwey Reden, gehalten in den Versammlungen der vier vereinigten Freymäurerlogen in Hamburg

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Mann zu bilden. Wie leicht verfliegen sie ist den 
Zerstreuungen des sinnlichen Lebens! Wie leicht verr 
lieren sie ihre Kraft! Wie selten wirken sie mehr als 
einzelne gute Handlungen! Wie schwach spricht die 
Stimme der Vernunft, wo die Leidenschaft spricht! 
Die Flamme verlischt, der Nahrung fehlt. Und 
wie vieles kämpft in der Seele des sinnlichen Men« 
schen wider die Tugend; wie leicht entkräftet Empfin 
dung eines Vergnügens, die sichre, gegründete Er 
wartung eines Gins! Dies ist der Fall hier. Die 
Tugend soll nicht Spekulation, sollThat seyn; That 
ohne tiefes kaltes Nachdenken über Motive; That 
wider die heftigen, fortreissenden Triebe der Sinn, 
lichkeit. Und nicht blos einzelne That; daurende 
herrschende Neigung der Seele, Kraft der Sinn 
lichkeit, den Leidenschaften zu widerstehn, selbst Lei 
denschaft. 
Das wird sie nur durch Wiederholung guter 
Handlungen, durch Uebung im Guten. Durch diese 
Ucberlegung erlangen wir klarere, lebhaftere Vorsieh 
lungen von dem Guten, das uns die Tugend gewährt» 
Die Ideen werden genauer unter sich, und mit 
mehrern Ideen verknüpft, wirken schneller und stär 
ker auf uns, werden kräftiges Gegengewicht gegen 
Sinnlichkeit und Leidenschaft. Jeder Schritt im Gu 
ten macht uns den Fortgang leichter, und doch hat die 
Schwierigkeit des Fortgangs zu höherer Vollkommen 
heit Reizung genug,uns nicht trage werden zu lassen.(*) 
Meine 
(*) Philosophischer Commentar re. S. 105. Mofts Men, 
velesoyne philosophische Schriften. 2 rer Th. S- 7 ;.rc. 
B
	        

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