Full text: Zwey Reden, gehalten in den Versammlungen der vier vereinigten Freymäurerlogen in Hamburg

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Weisheit aber ist noch nicht genug, den tugendr 
Haften Mann zu bilden, nicht genug Neigung, blei 
bendes Principium unsrer Handlungen zu wirken. 
Unterricht ist dem Tugendhaften, was die Gymnastik 
dem Athleten ist. (*) Die Erkenntniß, ohne die 
keine Tugend ist, muß lebendig werden. Wir müssen 
nicht nur einsehn, wir müssen fühlen: daß Tugend 
Glückseligkeit sey. Und wie kömmt der sinnliche 
Mensch zu diesem Gefühl, zu diesem bleibenden, und 
die sinnlichen Motive überwiegenden Gefühl? 
Wiederholter Eindruck, anschaulich machende 
Darstellung, wirkt unstreitig stärker, als blosse 
Vorstellung. Wer kann sonach den Einfluß verken 
nen, den die schönen Wissenschaften auf unser Her; 
haben? Wem strömt Klopstock nicht Gefühl ins 
Herz? Wen reißt Er nicht zu hohen Gedanken hin? 
Wem erzeugt Ec nicht heissen, brennenden Durst 
zu Ewigkeit würdigen Thaten? Wer sieht eine edle, 
grosse That, ohne die süssen, sympathetischen Bewe 
gungen der Tugend zu fühlen, ohne zur Nacheiferung 
entflammt zu werden. 
O ihr Edlen, die ihr für die Aufklärung, für 
die Besserung, für die Glückseligkeit eurer Brüder, 
Lurch Schriften und Thaten arbeitet, wie süß, wie 
herrlich ist der Lohn eurer Arbeit! So einer Seele 
Seligkeit schenken, kann nur der weise, tugendhafte 
Mann — und Gott! — 
Aber diese Eindrücke sind doch noch zu unbe 
stimmt, zu vorübereilend, um den tugendhaften 
Mann 
0 Philosophischer Comment« re. S. 8 a.
	        

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