Full text: Zwey Reden, gehalten in den Versammlungen der vier vereinigten Freymäurerlogen in Hamburg

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Freylich macht sie nicht immer unsern Zustand 
angenehmer, wie der Eigennutz wünscht, bringt uns 
nicht immer Vergnügen, weil unser kurzsichtiger 
Blick die ewigen Folgen jeder guten That nicht über- 
sehn kann. Aber Tugend, die uns besser macht, 
muß uns glückseliger machen. Eins läßt sich ohne 
das Andre nicht denken. 
Wie wichtig macht uns dies die Untersuchung: 
wie wir tugendhaft werden. 
Das ist klar: daß Tugend nicht ohne Weisheit 
geübt werden könne. Wie können wir zu einem 
gemeinnützigen Zweck arbeiten, ohne ihn zu kennen, 
ohne zu wissen, wie wir ihn erreichen können, ohne 
Ueberzeugung, daß es Pflicht sey, ihn zu er 
reichen? 
Es giebt Tugenden, zu deren Ausübung sehr 
ausgebreitete, durchgedachte Kenntnisse gehören, 
die mehr Anstrengung des Geistes als Güte des Her 
zens fordern, die Tugenden des Staatsmannes zum 
Beyspiel. Es bedarf nur eines geringen Grades 
von Wohlwollen, für die Glückseligkeit unsrer Brü 
der den besten Plan zu wählen, wann unser Privat« 
Vortheil nicht dabey leidet. 
Andere Tugenden sind mehr Tugenden des Herr 
zens. Aber auch sie fordern Einsicht von unfern 
Verhältnissen, von unsern Pflichten, von unsern 
Kräften. Sonst sind sie, nicht Tugenden des Men« 
sthen, Tugenden des Instinkts. 
Weis«
	        

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