Full text: Zwey Reden, gehalten in den Versammlungen der vier vereinigten Freymäurerlogen in Hamburg

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Und womit beweist denn der Skeptiker seine dreiste 
Assertion, mit der er dem ganzen menschlichen Ge 
schlechte Hohn spricht? Womit kann er sie beweisen, 
er, der gar keine Gewißheit glaubt? — 
Es ist klar: Ausbildung des Verstandes ist die 
erste Pflicht des denkenden Wesens, weil es dadurch 
vollkommner wird. 
Nun denke man sich die Seele in den Verbinr 
düngen, in die sie gesetzt ist. 
Alles ist ihr Gegenstand des Denkens, der Er- 
' Weiterung ihrer Vorstellungen. Aber alles erhält 
dadurch eine neue, innigere Beziehung auf sie, daß 
sie darauf wirken kaun, daß sie zur Bestimmung des 
Zustandes anderer Seelen, durch Handlungen bey» 
tragen kann. Diese gegenseitige Wirkung der See» 
len ist ein festes unauflösliches Band zu ihrer Glück 
seligkeit. Einschränkung der Vollkommenheit einer 
Seele, ist auch für die Seele, die dazu mitwirkt, 
Einschränkung, wahrer Verlust. Mitwirkung zur 
Glückseligkeit Andrer ist Erweiterung eigner Voll 
kommenheit. 
Die Tugend ist Neigung und Fertigkeit, alle 
Handlungen auf das allgemeine Beste abzielen zu 
lassen. Jede tugendhafte Handlung ist Beytrag 
zu unsrer Glückseligkeit, weil sie uns eine Vollkom 
menheit, eine durch uns gewirkte, sich auf uns be, 
ziehende Vollkommenheit darstellt, weil sie unsre 
Seelenkrafte, durch Handlungen, übt, und sie 
dadurch vollkommner macht. 
Frey-
	        

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