Full text: Über die Compensatio lucri cum damno

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dem Vormund, ebenso wie im Fall der 1 16, die Befugnis geben, 
das Mündel vor folgende Alternative zu stellen: „entweder du ver 
zichtest auf allen etwaigen Schadensersatz, oder du begnügst dich 
damit, dass ich dir für das Kapital nebst landesüblichen Zinsen 
einstehe“; d. h. der Vormund kann bewirken, ut esset ac si ne 
gotium sibi gessisset. — Ist bei Beendigung der Vormundschaft 
der ganze Gewinn und der ganze Schaden schon eingetreten, oder 
genau übersehbar, dann hat c. 1. c. d. stattzufinden; denn, wie 
wir sahen, schreibt die 1 16 die c. 1. c. d. nur deshalb nicht vor, 
weil die Parteien, insoweit die Kapitalien noch ausstehen, dieser 
Vorschrift rat- und hilflos gegenüber stehen würden. 
Nun zur 1 39 § 14 selbst. Es wird in ihr die c. 1. c. d. 
ausgeschlossen; danach ist anzunehmen, dass zur Zeit der Aus 
einandersetzung, der Beendigung der Vormundschaft der Kapitals 
verlust schon eingetreten ist, der Schaden sich also schon 
bemessen lässt. Weshalb wird die c. 1. c. d. ausgeschlossen? Es 
handelt sich nicht um ein Kapital, welches der Vormund an 
gelegt hat, sondern um ein Kapital, welches schon dessen Vor 
gänger (und zwar der Vater des Mündels) majoribus usuris 
leichtsinnig angelegt hatte. Wir sahen oben, dass der Vormund 
auch bei solchen Kapitalien zur rechtzeitigen Einziehung ver 
pflichtet ist, dass er aber, — wenn er das nomen nicht, aus 
drücklich anerkannt hat, wodurch dieselbe Sachlage hergestellt 
wird, als wie wenn er selbst das Kapital ausgeliehen hätte, 78 ) — 
hinsichtlich der Beitreibung nur für dolus und culpa 
lata haftet. Schon oben wurde unter Hinweis auf 12 C 5, 51 
angedeutet, dass die 1 39 § 14 dem nicht widerspricht. Sie sagt 
zwar nur „neglegentiae tutorum .... periculo adscripto“, aber 
mit dieser „neglegentia“ ist eben die verantwortlich machende 
neglegentia gemeint. Will man nicht zugeben, dass hier negle 
gentia lata gemeint ist, dann drehe ich den Spiess um und sage: 
dann ist auch nicht diligentia quam in suis, sondern omnis 
diligentia gemeint; und doch sagen auch diejenigen, die den Vor 
mund bei der Kreditierung für omnis diligentia haften lassen 
wollen, dass er hinsichtlich der Beitreibung ausstehender 
Kapitalien nur für diligentia quam in suis hafte. Es ist vielleicht 
eine übertriebene Genauigkeit, wenn ich bei meinen Auseinander 
setzungen nicht von „Schuld“ des Vormunds (weil nicht jede 
78 ) 1 44 pr. D. h. t.; 1 19 D 27, 3; 1 36 § 1 a. E. D 50, 1.
	        
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