Full text: Über die Compensatio lucri cum damno

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er, was er wollte. — Soll er nun gleichwohl Preisreduktion 
verlangen können? an non facit dolo, wenn er hier auf das 
strenge Recht pocht? — Unbedenklich kann man unter den 
angedeuteten Umständen den Fall so entscheiden, als ob die 
beiden Grundstücke ein einziges wären 14 ). — Wenn freilich der 
Käufer auf dem einen Grundstück, das kleiner ist, als der Ver 
käufer angab, eine Anlage ausführen will, für welche eine 
Bodenfläche von der seitens des Verkäufers angegebenen Grösse 
erforderlich ist, dann findet kein Ausgleich dadurch statt, 
dass das andere Grundstück, auf dem der Käufer sein Wohn 
haus bauen will, grösser ist, als der Verkäufer angab. — Hier 
könnte der Käufer zweifellos Preisreduktion verlangen 15 16 ). 
Im Laden des Mehlhändlers A stehen gefüllte Mehlsäcke 
zum Verkauf, welche je 100 Pfund Mehl enthalten (wenigstens 
nach Ansicht des A). B ergreift einen der Säcke, kauft ihn, 
nachdem ihm A angegeben, der Sack enthalte 100 Pfund, und 
nimmt ihn gleich mit sich; nach einer Stunde kommt B wieder 
und erklärt, er wolle nur gleich noch einen Sack dazu nehmen; 
derselbe Vorgang wiederholt sich. B stellt zu Hause fest, dass 
der eine Sack nur 90, der andere aber 110 Pfund Mehl enthält. 
— Die Entscheidung der 1 42 wird auch auf diesen Fall ange 
wendet werden dürfen. — Modifizieren wir aber den Thatbestand, 
indem wir annehmen, B habe den zweiten Sack, und zwar den 
jenigen, in dem nur 90 Pfund enthalten sind, erst ein Jahr 
später gekauft, dann ist die c. 1. c. d. zweifellos unzulässig. 
Hier hat der Käufer nicht das, was er haben wollte, hat nicht 
100 Pfund; anders dort: Der Käufer wollte im ganzen 200 Pfund 
haben und die hat er. 
14 J Vielleicht grenzen die beiden Grundstücke gar so aneinander, dass 
man meint, man habe es nur mit einem zu thun. — Vgl. Windscheid II 
§ 391 Anm. 37. Merkwürdig ist, dass nur Mommsen (S. 194 Anm. 3) der 
1 42 bei Besprechung der c. 1. c. d. gedenkt. Vgl. zur 1 42 den Art. 1623 
des Code civil, in dem freilich sowohl das „simul utrumque“, wie die „unitas 
pretii“ für wesentlich erklärt wird (vielleicht wegen Missverständnisses der 
hier in Rede stehenden Quellenstelle). 
16 ) 1 2 pr. D 19, 1; 1 69 § 6 D 21, 2. Er könnte aber auch mit der 
actio redhibitoria vorgehen: Mangel einer zugesagten Eigenschaft. Dass die 
Grösse des Grundstücks in dem proponierten Fall eine Eigenschaft des 
selben, und die Angabe des Verkäufers über den Flächeninhalt Zusicherung 
einer Eigenschaft ist, bedarf kaum der Hervorhebung (vgl. übrigens 
Dernburg II § 100 Anm. 7).
	        
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