Full text: Über die Compensatio lucri cum damno

22 
Erster Abschnitt. 
§ 2 . 
Die Zulässigkeit der compensatio lucri cum 
damno im allgemeinen und ihre prozessuale 
Geltendmachung. 
Auf die im einleitenden Paragraphen bereits erläuterte 
juristische Natur der c. 1. c. d., aus der sich zugleich die Be 
antwortung der Frage nach ihrer „Zulässigkeit im allgemeinen“ 
erraten lässt, ist hier nur noch kurz an der Hand eines Beispiels 
zurückzukommen. 
Durch eine überaus günstige und sichere Kapitalsanlage 
verschafft ein Vormund seinem Mündel aussergewöhnlich hohe 
Zinsbeträge: Gewinn. Danach verfährt er bei Anlage eines 
weiteren Kapitals nachlässig, sodass das Mündel durch Zins- 
und Kapitalverlust einen grossen Schaden erleidet. — Will man 
den Schaden feststellen, den die letztere Handlung des Vormunds 
zur Folge gehabt hat, dann muss man selbstverständlich den 
durch die erstere Handlung herbeigeführten Gewinn ausser Acht 
lassen. — Wenn der Vormund den durch seine nachlässige 
Handlung entstandenen Schaden im rechtlichen Sinne, das 
Interesse, leisten muss, dann kann ihm der Gewinn nicht 
zu gute kommen, denn dieser Gewinn ist nicht Faktor des 
Interesses. — Umgekehrt: Wenn dem Vormund, der auf Ersatz 
des durch seine Nachlässigkeit entstandenen Schadens belangt 
wird, der Gewinn zugerechnet wird, dann braucht er eben 
nicht das Interesse zu leisten; dann ist vielmehr der Gegenstand 
der Schadensersatzleistung kleiner als das Interesse, kleiner 
als der Schaden im rechtlichen Sinne. 
Stets und ausnahmslos liegt in der c. 1. c. d. eine 
Beschränkung des Schadensersatzes. 
Aus der juristischen Natur der c. 1. c. d. folgt von selbst 
der allgemeine Grundsatz: 
Die c. 1. c. d. ist regelmässig unzulässig.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.