Full text: Über die Compensatio lucri cum damno

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nicht. Wenn demnach ein durch die schädigende Thatsache 
bedingter Vorteil zugerechnet wird, so kann dies nur auf der 
Erwägung beruhen, dass trotz Subtraktion des Vorteils dem 
Berechtigten der volle Schaden im rechtlichen Sinne ersetzt 
wird, und dass umgekehrt bei Nichtberücksichtigung des Vorteils 
der Verpflichtete zu einer Leistung gezwungen werden würde, 
die den Betrag des Schadens im rechtlichen Sinne um den des 
Vorteils übersteigt; auf der Erwägung also, dass die Subtraktion 
des durch die schädigende Thatsache bedingten Vorteils von dem 
Nachteil erst den Schaden im rechtlichen Sinne ergiebt, und 
dass das Erteil, es sei ein Schaden entstanden, inso 
weit gar nicht aufkommen kann, als der Vorteil reicht. 
Hiernach gehört die Erörterung über die Zurechenbarkeit 
der durch eine schädigende Thatsache bedingten Vorteile in die 
Lehre vom Einfang des Schadens im rechtlichen Sinne, in die 
Lehre vom „Umfang des Interesses.“ 15 ) 
Wenn, wie oben festgestellt wurde, auch durch die schä 
digende Thatsache bedingte Vorteile zurechenbar sein können, 
wenn es andererseits nach der Analogie der Nachteile und nach 
dem gesunden Menschenverstand 18 ) unzulässig erscheint, dem 
Verpflichteten alle Vorteile zu gut zu rechnen, so erhebt sich 
ebenso, wie bei den Nachteilen die Frage nach den Grenzen 
der Zurechenbarkeit. Für diese Grenzen sind im grossen und 
ganzen dieselben allgemeinen Grundsätze massgebend, nach 
denen sich die Zurechenbarkeit der Nachteile bestimmt; Grund 
sätze, die freilich wegen der Eigenart des Thatbestandes, wie er 
beim Vorhandensein von Vorteilen gegeben ist oder gegeben 
sein kann, nach verschiedenen Richtungen einer Ergänzung be 
dürfen. Auf das Nähere kann hier nicht eingegangen werden. 
II. Ich gehe zu denjenigen Vorteilen über, die nicht 
durch die schädigende Thatsache bedingt sind, vielmehr in einer 
solchen Handlung des zum Schadensersatz Verpflichteten ihren 
Ersprung haben, die von der schädigenden Thatsache durchaus 
unabhängig sind. 
Welche juristische Bedeutung hat es, wenn das Recht 
auch solchen Vorteilen nachteilaufwiegende Wirkung beilegt? 
Diese Frage erledigt sich mit wenigen Worten. 
15 ) S. oben Aum. 8. 
16 ) S. oben S. 14.
	        
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