Full text: Über die Compensatio lucri cum damno

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nun aber dem Benachteiligten bereits ein Vorteil zugekommen 
ist, dem das Recht die Wirkung beilegt, den Nachteil aufzu- 
wiegen. dann beschränkt sich die Verpflichtung des Thäters 
darauf, den etwa noch nicht aufgewogenen Teil des Nachteils 
aufzuwiegen. M. a. W.: Unter gewissen Voraussetzungen will 
das Recht einen Nachteil auf die eine oder andere Weise durch 
einen Vorteil (VermögensVermehrung) aufgewogen wissen; inso 
weit daher dem Benachteiligten nicht bereits ein Vorteil zuge 
kommen ist, dem das Recht nachteilaufwiegende Wirkung 
zuerkennt, muss der im gegebenen Falle Verpflichtete den 
Vorteil bringen. Der Vorgang, der sich bei der Schadensersatz 
leistung abspielt, ist demgemäss nichts Anderes als Aufwiegung 
eines Nachteils durch einen Vorteil, nichts Anderes als eine 
besondere Art der sogenannten c. 1. c. d. im weitesten Sinne. 
Man wolle nicht einwenden, der Benachteiligte erlange doch 
durch die Schadensersatzleistung keinen Vorteil. Dass es ein 
Vorteil ist, Schadensersatz zu erhalten, kommt jedem zum 
Bewusstsein, der casum sentit; auch ist es unmöglich, einen 
Nachteil durch etwas Anderes als durch einen Vorteil auszu 
gleichen. Hier interessieren übrigens nur diejenigen Fälle, in 
denen die durch die Schadensersatzleistung sich vollziehende 
c. 1. c. d. dadurch ganz oder zum Teil unnötig geworden ist, 
dass dem Benachteiligten bereits ein anderer mit nachteilauf 
wiegender Wirkung versehener Vorteil zugekommen ist. 
Bei Beantwortung der Frage, ob ein Vorteil nachteilauf 
wiegend wirken könne, sieht das Recht, wie nicht schwer zu 
erraten, in erster Linie auf den Ursprung des Vorteils. 
In dieser Hinsicht ergiebt sich von selbst die Unter 
scheidung: 
J. Vorteile, die sich auf eine Thätigkeit, ein Verhalten 
des zum Schadensersatz Verpflichteten zurückführen 
lassen. 
2. Vorteile, die sich nicht auf eine Thätigkeit, ein Ver 
halten des zum Schadensersatz Verpflichteten zurück 
führen lassen. 
Von den Vorteilen der letzteren Art ist ohne weiteres zu 
sagen, dass das Recht ihnen keine nachteilaufwiegende Wirkung 
zuerkennt. Wenn A das Haus des B in Brand gesteckt hat, 
so ist und bleibt er voll und ganz schadensersatzpflichtig, wenn
	        
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